Digitalgipfel zu Künstliche Intelligenz in Nürnberg

Alles dreht sich aktuell um die Frage Künstliche Intelligenz. Tatsächlich ist man von einer deep AI (Artificial Intelligence) noch sehr weit entfernt, denn die Hürden wie Wahrnehmung und wie denkt das Denken sind nicht genommen. Aktuell hat man es daher eher mit Algorithmen zu tun, die durch Loops “lernen” auf Grundlage großer Datenmengen, was als lernende Systeme gerne bezeichnet wird.

Wie auch immer man es beurteilen mag, das Rennen ist eröffnet, denn wer hier die Nase vorne hat, hat wirtschaftlich gewonnen. Die aktuelle KI Strategie der Bundesregierung nimmt sich dazu leider bescheiden aus und wird dem Ernst der Herausforderung nicht gerecht, wie auf GLOCALIST berichtet.

Schon beginnt man sich nach der Frage von Ethik bis hin Gemeinwohl auseinanderzusetzen. Es wirkt ein wenig als wolle man das Fell des Bären verteilen, bevor er denn überhaupt noch gesichtet worden ist. Der Digitalgipfel zielt auf diese Fellverteilung ab. Und man muss sich auch fragen, ob die richtigen Jäger zugegegen sind, um im BIld zu sein. Denn aus technikaffiner Sicht alleine werden sich diese Fragen nicht beantworten lassen.

So liest man im Eigenanspruch: “Eine entsprechende Strategie wird auf dem kommenden Digitalgipfel mit dem Schwerpunkt Künstliche Intelligenz am 3. und 4. Dezember in Nürnberg vorgestellt. Künstliche Intelligenz werde eine Schlüsseltechnologie für die gesamte Wirtschaft, gleichzeitig solle ihre Nutzung dem Gemeinwohl dienen.” Was das Gemeinwohl darstelle, ist ohne Zweifel eine eminent politische Frage und schon der Begriff ist weder neutral noch harmlos. Wer sei das Subjekt des Gemeinwohls und was stelle Gemeinwohl dar?

So führt der Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie Professor Holger Hanselka, der auch dem Lenkungskreis der Plattform Lernende Systeme (PLS) der Bundesregierung angehört, aus: „Lernende Systeme und Künstliche Intelligenz bedeuten Veränderungen, die wir zum Wohle der Gesellschaft einsetzen müssen“ Was das Wohl der Gesellschaft ist, ist freilich heiß umstritten: Ist es die individuelle Freiheit, sind es Bürgerrechte oder die Wünsche und Ziele oft bürgerferne Funktionärskreise, die meinen  zu wissen, was das Wohle für Alle sei? Und wer ist dieses “Alle”, wer ist die Gesellschaft? Es wirft komplexe Fragen der Legitimation auf, die KI nicht beantworten kann. Die Frage nach der Rolle und Aufgabe von KI bevorschatten die eigentlichen Fragen.

Das man hier etwas kurz anzusetzen scheint, macht folgende Ausführung deutlich, die eher projektbezogen und klein-klein wirkt, als sich den großen Fragen zu stellen, die da eingangs aufgeworfen worden sind: „Information und Mobilität sind zwei Themenfelder, auf die sich das KIT fokussiert, sei es beim Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg (TAFBW) und den zugehörigen intelligenten Verkehrssystemen, der Entwicklung lernender Roboter für die Assistenz und deren Einsatz in Industrie 4.0 oder bei der Logistik und im Gesundheitswesen sowie in gefährlichen Umgebungen“, so Hanselka.

Etwas pragmatischer, ohne Überhöhung und tiefer hängt es Jürgen Beyerer, Professor für Interaktive Echtzeitsysteme am Institut für Anthropomatik (IAR) des KIT und Leiter des Fraunhofer IOSB von Gefahrenabwehr spricht: “Nicht nur auf der Straße, auch in der Tiefsee, im Weltall, in kontaminierten Umgebungen oder in Krisengebieten können Lernende Systeme dem Menschen wertvolle Hilfe leisten, indem sie gefährliche Tätigkeiten übernehmen. Roboter und unbemannte Systeme sind im Einsatz, um die Gefahren für den Menschen zu reduzieren – sei es bei Erkundungen in lebensfeindlichen Umgebungen, beim Messen von giftigen Gasen und Strahlung in kontaminierten Umgebungen oder bei der Bergung Verunglückter“.

Um Haltungsverbesserung geht es auch Tamim Asfour, Professor für Hochperformante Humanoide Robotiksysteme am IAR des KIT, der darin gleich ultimative Ziele erblickt: „Das ultimative Ziel der maschinellen Intelligenz besteht darin, technische Systeme zu schaffen, die mit der physikalischen Welt interagieren und diese durch ihre Aktionen verändern können. Solche Systeme werden aus dieser Interaktion, vom Menschen und aus eigener Erfahrung lernen und ihr Verhalten ständig verbessern

Zusammenfassend kann man einen Tenor hin zur Weltverbesserung ohne Zweifel erkennen, was die Werte, Ethik, das Subjekt wie das Ziel und die Legitimation  betreffen, steht diese Tagung eher blank da. Sie erhebt großen Anspruch das Wohle der Gesellschaft im Blick zu haben, aber zuerst sollte man sich über das erwünschte Wohl unterhalten. Von daher wäre es sicher hilfreich, wenn man bei diesem Gipfel einige Philosophen mit an Bord hätte.

 

 

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