Innovation und der Chief Innovation Officer (CINO): Intuition und Traum als Managementmethode.

Nach einer aktuellen Gartner-Studie wird das Thema “Innovation als Disruption” zum kommenden, eigentlich schon bereits entscheidenden Thema und Herausforderung für jedes Unternehmen und Gesellschaft, wie nachstehende Grafik aus der Studie verdeutlicht. Man spricht zu recht bereits von Innovation 4.0.

Bisher war (und ist) das Thema Innovation unternehmensintern vorrangig zwischen dem CEO, CTO und CIO aufgespannt, womit niemand so recht den Hut auf hatte und die jeweils mitgebrachten Kompetenzen zu eng führten.

Manchmal wird das Thema Innovation auch dem Marketing und PR zugeschlagen, was besonders fatal ist, denn ihr Modus ist eher der der Opportunität , sprich was ist gefällig, was gefällt und was erzeugt keine Probleme. Langfristigigkeit ist keine wirklich inhärente Perspektive, trotz gegenteiliger Beteuerungen.

Strategisch wird man aber hier neue Wege beschreiten müssen, wie es bereits zahlreiche US-amerikanische Unternehmen mit dem Chief Innovation Officer tun. Nach aktuellen Studien sollen rund 40% US-amerikanische Unternehmen einen Innovation Officer haben und es gibt dazu auch bereits eigene Tagungen von CINOs in den USA. Man steht hier am Anfang, so wie man einst am Anfang stand bei den Themen Nachhaltigkeit oder Diversität.

In Deutschland und Österreich ist man eher zaghaft, was aufgrund der zaghaften Untenehmenskultur wenig überrascht und man lieber das gerne macht, wo auch eine staatliche Förderung winkt.

Israel und der Innovationsmanager

Bemerkenswert ist hingegen, dass israelische Unternehmen cum grano salis diese Position überhaupt nicht kennen. Zwar ist Israel einer der Innovationstreiber der Welt, wie US-amerikanische Unternehmen, aber es wäre fatal, wenn israelische Unternehmen dieses operative Defizit nicht erkennen und beheben, denn sonst wird es rasch zu einem strategischen Defizit.

Israelische Unternehmen sind cum grano salis sehr gut im Modus des “Um-die Ecke-Denken”, doch es sind meist die Ecken der anderen, die sie im Blick haben. Eigene Ecken werden kaum wahrgenommen und man sieht eher gerade Bahnen, um im Bild zu bleiben, und sehr viele datengetriebene Entscheidungen verbunden mit einem sehr assertativen, pragmatischen Auftraten vieler israelischer Unternehmen.

Auch und gerade US-amerikanische Unternehmen haben dies für sich erkannt und führen diese Position konsequent ein, um weiter die Nase vorne zu haben. Denn zur Aufgabe eines Innovationsmanager gehört es auch, die Innovationen anderer zu erkennen, zu überblicken, im Blick zu haben und die entsprechenden synergetischen Schlußfolgerungen sowohl analytisch als auch – und hier kommt ein neuer Modus ins Spiel – intuitiv zu ziehen.

Hier haben israelische Unternehmen einen operativen, vielleicht sogar strategischen Nachholbedarf. Aber und gerade Startups, die sich selber oft als Innovation per se vestehen, bedürfen des Innovationsmanagers als ihr enterisches Nervensystem. Dies gilt meiner Meinung für alle Startups, egal wo sie sich befinden.

Intuition

Der Chief Innovation Officer (CIO oder CINO) ist idealiter an der Fusions- und Schnittstelle zwischen” IT – Kommunikation- Nachhaltigkeit – Innovation” positioniert, bringt die entsprechenden Kompetenzen und das berühmte “Um-die-Ecke-Denken” mit einem Überblick der Innovationen am Markt mit. So kann man es dem CFO beruhigend erklären.

Aber und vor allem hat der CIO eine unmittelbare Eingabe/Verstehen, sprich Intuition, für sich anbahnende Tendenzen, Umbrüche aka Disruptionen und Entwicklungen. Intuition gilt als eine der wesentlichen menschlichen Erkenntnis- und Tu-weisen, ist aber ebenso schwer zu beschreiben wie Kreativität und der Traum. Spinoza wies die Intuition als die höchste Erkenntnisweise des Menschen aus, die die Ratio übertrifft.

Auch dies sind Teile des Methoden- und Verstehenskoffer eines CIO. Und spätestens hier beginnen der CTO und CFO unruhig zu werden, denn allen drei Erkenntis- und Tu-weisen des Menschen – Intuition, Traum und Kreativität – ist gemeinsam, dass sie sich der algorithmischen, datengetriebenen Beschreibung und einer eng geführten logischen Erfassung und damit skalierbaren Reproduktion entziehen.

Für Intuition wie Traum und Kreativität gilt: Weder mit ihnen (ausschließlich) noch ohne sie ist ein nachhaltiger Erfolg und Existenz möglich, die ohne Innovation und Disruption nicht denkbar ist.

Die romantische Vorstellung vom ruhigen, langsamen Fluß der Evolution oder evolutionärer Entwickung als Fortschreibung in 3-Jahrespläne ist falsch. Evolution ist per se disruptiv, innovativ und radikal. Dies sollte man spätestens mit der Pandemie verstanden haben.

Denn Inituition ist der Modus der Unendlichkeit, der quasi systematisierende Tag-Traum. Und die überragende Bedeutung vom Traum als Methode, als Instrument oder Konzept – je nach Blickwinkel – sollte gerade israelischen Unternehmen vor dem Hintergrund der Staatsgründung Israel klar sein.

Träume, richtiges Träumen, gehört damit zum Methodenkoffer, wie die Analyse, das Projektmanagement oder die Motivation. Klingt gewöhnungsbedürftig, aber schon im Talmud erkannte man den Traum als einen Weg zur Erkenntnis, was Freud schließlich rationalisierte und in die Wissenschaft überführte.

Die Hauptaufgabe des CINO ist daher das berühmte intuitive Denken, das Träumen, das kreative, schaffende tertium datur, das erst Raum für Disruption und Innovation eröffnet, um neue Strategien des Wachstums und der Produkt- bzw. Dienstleistungsinnovation zu träumen, zu erkennen, zu formulieren, zu kommunizieren, zu managen, zu organisieren und schließlich zu finalisieren.

Am Ende des Tages geht es um das berühmte Ei des Columbus. Und das ist nicht freundlich gegenüber dem Ei und hat nichts mit esoterischem Wohlfühlgesülze zu tun, wo alles mit allem vernetzt und alles relativ sei. Es ist schon alles vernetzt, das ist wahr, aber an den Ecken sitzen unsichtbare Spinnen, die auf ihre Beute warten.

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