Point of Sale ist mobil. Dies macht Handies zu potentiellen Schuldenfallen.

Eine aktuelle Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) gibt Evidenz, dass mobiles Surfen verbunden mit bequemen Zahlungsweisen zum Kauf verleitet und die Schuldenfalle rasch zuschnappen lässt.

Frühere Studien haben gezeigt, dass das Konsumverhalten maßgeblich mit der Wahl des Zahlungsmittels und dem dabei wahrgenommenen „Schmerz beim Bezahlen“ (pain of payment) zusammenhängt. Generell gilt: Je geringer der „Schmerz“, desto höher der Konsum. Das Bezahlen mit Bargeld gilt als besonders schmerzhaft, da der zu bezahlende Betrag per Hand abgezählt werden muss und der Geld-Abfluss hautnah miterlebt wird. Der Effekt fällt bei Kreditkarten deutlich geringer aus, auch wenn diese noch als klassisches Zahlungsmittel gelten. Anders könnte es bei Smartphones aussehen, die im Alltag allgegenwärtig sind und die daher, so die Hypothese, beim Bezahlen kaum „Schmerzen“ verursachen dürften.

Der Klärung dieser Frage hat sich nun ein Team der JLU rund um Prof. Dr. Andreas Walter und Tobias Meyll von der Professur für Finanzdienstleistungen gewidmet. Die Autoren analysierten in ihrer Studie anhand einer repräsentativen US-amerikanischen Haushaltsumfrage, wie sich die Nutzung des Smartphones für mobiles Bezahlen auf den Umgang der Konsumentinnen und Konsumenten mit ihrer Kreditkarte auswirkt.

Die Studie, die in der Zeitschrift „Finance Research Letters“ publiziert wurde, belegt einen starken Zusammenhang zwischen mobilem Bezahlen und so genanntem Kreditkarten-Fehlverhalten. Dazu zählen die zu späte Begleichung der Rechnungen, das Überziehen des Kreditrahmens und die regelmäßige Rückzahlung nur des Minimalanteils der Rechnungen. Diese Verhaltensweisen haben potenziell weitreichende Auswirkungen auf die Verschuldungssituation von Privathaushalten. Je häufiger das Handy zum Bezahlen genutzt wird, umso stärker werden die beschriebenen Effekte.

Dies hängt ohne Zweifel auch mit dem Suchverhalten zusammen, wonach mehr und mehr User sich vorab im Web indformieren bevor sie – sei es nun online oder offline – kaufen. Das Fachmagazin “Internethandel” fasst hier eine Studie von Google und GfK zusammen: “Insgesamt zeichnet sich ab, dass mehr als 50 Prozent der Internetnutzer in Deutschland das World Wide Web einsetzen, um Produkte online zu suchen und zu vergleichen. Hiervon kaufen rund 16 Prozent das gesuchte Produkt unmittelbar in einem Online-Shop. 38 Prozent der Käufer informieren sich per Internet und kaufen dann letztlich offline. Bezogen auf die Gesamtmenge deutscher Verbraucher liegt der Anteil derjenigen, die sich im Vorfeld einer Kaufentscheidung per Internet informieren bei rund 40 Prozent.

Die Customer Journey nimmt so neue Wege und Abzweigungen und auch der Point of Sale ist digitale geworden. Sieht man von daher Mobilfunk als Vertriebskanal, dann ist wohl der Schritt nicht groß, diesen Vertriebskanal den Kunden kostenfrei zu überlassen.

 

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