DEAL und SPRINGER NATURE vereinbaren Rahmen für weltweit umfangreichste “Open Access”-Vereinbarung

MPDL Services, im Auftrag von Projekt DEAL, und Springer Nature haben aktuell ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet, das den Rahmen für die – nach Eigendarstellung – umfassendste Open Access-Vereinbarung weltweit definiert. Ob diese Vereinbarung tatsächlich der Idee von “Open Access” entspricht, kann man diskutieren.

Die finale Vereinbarung jedenfalls soll noch in diesem Jahr besiegelt werden. Das gemeinsame Engagement beider Parteien, sich für das Prinzip einer offenen Wissenschaft einzusetzen, hat diese Einigung möglich gemacht, so liest man in der Presseaussendung.

Es war aber nicht nur reines Engagement, das diese Vereinbarung möglich machte, es ist auch eine Frage des Geldes.

So liest man über einen der Eckpunkte des MoU, dass dieses Engagement ein wohlfeiles Volumen von rund 25 Millionen Euro aufweist: “Für 2020 basiert die „Publish and Read“ (PAR)-Komponente auf dem Publizieren in OA von mindestens 9.500 Artikeln und gewährt teilnehmenden Institutionen dauerhaften Zugriff auf 1.900 Zeitschriften der Portfolios von Springer, Palgrave, Adis und Macmillan. Für Zugriff und OA-Publizieren in der PAR-Komponente wurde eine PAR-Gebühr von € 2.750 pro Artikel vereinbart.

Kernaufgabe des Projekt DEAL ist es mit Verlagen Lizenzvereinbarungen zu finden. So beschreibt sich das Eigenverständnis und Auftrag folgend: “Das Projekt DEAL wurde von der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen ins Leben gerufen, die die überwiegende Mehrheit der wichtigsten Wissenschafts- und Forschungsorganisationen in Deutschland repräsentiert. Das Konsortium umfasst fast 700 überwiegend öffentlich finanzierte, akademische Einrichtungen in Deutschland, wie Universitäten, Fachhochschulen, Forschungseinrichtungen sowie Staats- und Regionalbibliotheken. Im Rahmen des Projekts sollen nationale Lizenzvereinbarungen für das gesamte Portfolio an elektronischen Zeitschriften großer akademischer Verlage umgesetzt werden.

Grundsätzlich ist zu hinterfragen, warum private Verlage für die Publikation öffentlich finanzierter Forschung neuerlich am Ende des Tages diese Publikationen sich durch die Öffentliche Hand finanzieren lassen.

Darob gibt es auch viel Unmut in der Wissensgesellschaft, denn Wissenschafter bekommen in der Regel nichts für ihre Publikation bezahlt und die Publikation rechnet sich erst über den Umweg, dass man so leichter Fördergelder der Öffentlichen Hand erhält.

Kritisiert wird auch, dass sich dadurch die oft als autoritären erachteten Strukturen der Professur verfestige und eine Wissenschaftsbürokratie ein Hemmnis für Innovation sei sowie zahlreiche Interessenskonflikte bestehen.

Weitere Punkte des MoU sind:

Springer Nature wird allen Institutionen für das OA-Publizieren in den BioMed Central und SpringerOpen Zeitschriften 20% Rabatt auf den Listenpreis anbieten; basierend auf dem Listenpreis von 2020 werden Erhöhungen der APC-Listenpreise nicht mehr als 3,5% pro Zeitschrift und Jahr betragen.

Nicht enthalten in der PAR-Komponente sind Nature und Nature branded journals sowie reine Fachzeitschriften und Magazine, wie zum Beispiel ATZ und MTZ sowie Scientific American oder Spektrum der Wissenschaft.

Teilnehmenden Institutionen wird außerdem während der Vertragslaufzeit Zugang zu Backfile-Ausgaben der enthaltenen Zeitschriften zurück bis 1997 gewährt.

Prof. Dr. Martin Stratmann, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft: „Angesichts des Umfangs der deutschen Forschungspublikationen in Springer Nature-Zeitschriften ist diese Einigung ein wichtiger Meilenstein für die Befreiung der Wissenschaft von den Bezahlschranken des Subskriptionsmodells, die die Arbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Forscherinnen und Forscher in unserer digitalen Welt schon viel zu lange behindern. Eine kostenneutrale transformative Vereinbarung mit einem so bedeutenden Verlag wie Springer Nature setzt einen neuen Maßstab für die akademischen Einrichtungen und Forschungsinstitute in der Open Access 2020 Initiative, und zeigt, dass zurzeit im Subskriptionssystem gebundene institutionelle Budgets umgewidmet werden und mehr Offenheit in die wissenschaftlichen Zeitschriften bringen können, die für Forscherinnen und Forscher den natürlichen Lebensraum bilden – auf dem Weg zu einem vollständig offenen Informationsumfeld.

Bis dahin – vollständig offenes Informationsfeld – ist es ohne Zweifel wohl noch ein weiter Weg und es stellt sich schon die Frage, ob auch diese Vereinbarung der Königsweg zu einem vollständigen offenen Informationsumfeld sei, das privatwirtschaftliche Verlage mit ihrem staatlich geförderten – sei es nun direkt oder indirekt – Erlösmodell rasch obsolet bzw. hinsichtlich Legitimität hinterfragbar machen kann.

Hier sind wohl andere, zeitgemäßere Lösung aus der Social Media Welt und Crowdscience vielleicht eher geeignet oder sinnvolle strategische Ergänzungen. Open Access ist als Prinzip aber nicht mehr zu stoppen, was grundsätzlich gut für Innovation ist. Der Ozean liegt draussen.

Die wesentliche Ursache für Entstehung der Open Access Bewegung bleibt aber weiterhin unberührt. Dieser war und ist, wie Wikipedia “schreibt”, welches man ohne Zweifel als einen sehr markanten Ausdruck der Open Access Bewegung erachten kann: “Die zentrale Forderung dieser Bewegung ist, dass wissenschaftliche Publikationen als Ergebnisse der von der Öffentlichkeit geförderten Forschung dieser Öffentlichkeit wiederum kostenfrei zur Verfügung gestellt werden sollen. Zur Begründung wird angeführt, dass die bisherigen Publikationsstrukturen eine Privatisierung des von der Allgemeinheit finanzierten Wissens darstellten. Durch Open Access solle verhindert werden, dass dieses Wissen erneut von der Allgemeinheit finanziert von den Verlagen zurückgekauft werden müsse, die durch die Publikation die Nutzungsrechte erhalten haben.

Auch ist sehr augenscheinlich, dass die Vorstellung, was Open Access denn meine, doch unterschiedlich und divergierend. Allgemein anerkannt ist die folgende Beschreibung von Open Access, was ja kein geschützter Begriff ist: Open Access “…ist der freie Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und anderen Materialien im Internet. Ein wissenschaftliches Dokument unter Open-Access-Bedingungen zu publizieren, gibt jedermann die Erlaubnis, dieses Dokument zu lesen, herunterzuladen, zu speichern, es zu verlinken, zu drucken und damit entgeltfrei zu nutzen. Darüber hinaus können über freie Lizenzen den Nutzern weitere Nutzungsrechte eingeräumt werden, welche die freie Nach- und Weiternutzung, Vervielfältigung, Verbreitung oder auch Veränderung der Dokumente ermöglichen können.”, so zu lesen auf Wikipedia.

Der entscheidende Punkt ist “entgeltfrei”. Insofern muss man kritisch hinterfragen, ob die als Open Access präsentierte Vereinbarung zwischen Deal und Springer tatsächlich open access sind.