Seit dem 3. Februar 2023 lockt das ‚Unteres Belvedere‘ in Wien mit seiner Ausstellung ‚Klimt. Inspired by Van Gogh, Rodin, Matisse…‘ Die Ausstellung zeigt etwa 90 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen von Gustav Klimt und Künstlern und Künstlerinnen seiner Zeit.
Die gemeinsame Ausstellung mit dem Van Gogh Museum in Amsterdam verfolgt die Spuren zurück zu Klimts künstlerischen Wegbereiterinnen und -begleitern. Sie zeigt Werke von Klimt, van Gogh, Matisse und vielen anderen in eindrucksvollen Gegenüberstellungen.
Seit 2015 gibt es zum Thema der Ausstellung ein umfangreiches Forschungsprojekt des Belvedere in Wien und des Van Gogh Museum in Amsterdam, so die Webseite der Ausstellung. Um die Ankunft internationaler moderner Kunst in Wien zur Jahrhundertwende zu rekonstruieren, wurden größere Ausstellungsorte der damaligen Zeit wie die Secession oder die Galerie Miethke gründlich untersucht.
Daneben wurden auch weniger bekannte Einrichtungen und bedeutende österreichische Privatsammlungen wie die von Carl Reininghaus oder jene der Familie Wittgenstein erforscht. Anhand von Hinweisen auf Ausstellungs- und Galeriebesuche wurde Klimts Reisetätigkeit nachvollzogen. Aufschluss über die zeitgenössische Kunstrezeption gaben ergänzend dazu die Ausstellungsrezensionen und -kritiken in Zeitungen und Zeitschriften wie ‚Neue Freie Presse‘ und ‚Ver Sacrum‘.
Die Fragestellungen der Kuratoren waren: Welche Werke von Vincent van Gogh hat Gustav Klimt tatsächlich gekannt? Wie vertraut war er mit den Arbeiten von Henri Matisse? Gemeinsam mit dem Van Gogh Museum in Amsterdam folgt das Belvedere den Spuren zurück zu jenen der Avantgarde, die den Meister der Wiener Moderne nachweislich beeinflussten, und zeigt dabei auch Werke, die aufgrund ihres fragilen Zustands kaum mehr geliehen werden. Mit den 1964 das letzte Mal öffentlich in Österreich gezeigten ‘Wasserschlangen II‘ kehrt eines von Klimts Hauptwerken zurück nach Wien.
Im Pressetext zu der Ausstellung wie auch auf der Webseite, die zahlreiche Informationen zu ihr bereithält, bleibt ein wesentlicher Punkt jedoch nicht dargestellt: Die ‘Wasserschlangen II‘ haben als Kunstwerk eine lange Geschichte, die – wie sollte es anders sein – weit in die Tiefen und Abgründe der Nazizeit hineinreicht.
So wird nur bedeutungsschwanger geraunt, dass das Gemälde seit 1964 nun erstmals wieder in Wien zu sehen sei. Ganz nach Wiener Unsitte, bleibt der Hintergrund jedoch verdeckt. So berichtet der ‘Standard‘ vom 31.1.2023, dass Klimts bekanntes Werk einst der jüdischen Sammlerin Jenny Steiner gehörte, die ehedem eine wichtige Förderin der ‘Secession‘ und Gustav Klimts gewesen sei und die von den Nationalsozialisten ihrer Güter beraubt wurde. 1940 gelangten die ‘Wasserschlangen II‘ in den Besitz des NS-Propagandaregisseurs Gustav Ucicky.
Dessen Witwe Ursula Ucicky sei, so der ‘Standard‘, jedoch nie bereit gewesen, eine Vereinbarung mit den Erben von Jenny Steiner zu schließen, obwohl der Besitz des Gemäldes als Raubkunst-Fall seit den späten 1990er-Jahren eingestuft worden sei.
Bis zum 29.5.2023 wird die Ausstellung noch in Wien zu sehen sein; kuratiert wurde sie von Markus Fellinger (Belvedere, Wien), Edwin Becker (Van Gogh Museum, Amsterdam) und Renske Suijver (Van Gogh Museum, Amsterdam).
ENGLISH
Since February 3, 2023, the ‘Unteres Belvedere‘ (Lower Belvedere) in Vienna has been attracting visitors with its exhibition ‘Klimt. Inspired by Van Gogh, Rodin, Matisse…‘ The exhibition shows around 90 paintings, drawings, and sculptures by Gustav Klimt and artists of his time.
The joint exhibition of the Belvedere Vienna and the Van Gogh Museum in Amsterdam follows the traces back to Klimt’s artistic pioneers and companions. It shows works by Klimt, van Gogh, Matisse, and many others in impressive juxtapositions.
Since 2015 there has been an extensive research project by the Belvedere in Vienna and the Van Gogh Museum in Amsterdam on the subject of the exhibition tells the exhibition’s website. In order to reconstruct the arrival of international modern art in Vienna at the turn of the century, larger exhibition venues of the time such as the Secession or the Galerie Miethke were thoroughly examined.
In addition, less well-known institutions and important Austrian private collections such as those of Carl Reininghaus or those of the Wittgenstein family were researched. Klimt’s travels were traced based on references to exhibitions and gallery visits. The exhibition reviews and critiques in newspapers and magazines such as ‘Neue Freie Presse’ and ‘Ver Sacrum’ also provided information about contemporary art reception.
The curators’ questions were: Which works by Vincent van Gogh did Gustav Klimt know? How familiar was he with the work of Henri Matisse? Together with the Van Gogh Museum in Amsterdam, the Belvedere follows the traces back to those of the avant-garde that demonstrably influenced the master of Viennese modernism and also shows works that are rarely loaned due to their fragile condition. One of Klimt’s main works returns to Vienna in 1964, the ‘Water Serpents II‘, which was last publicly shown in Austria.
In the press release for the exhibition as well as on the website, which provides a lot of information about it, one essential point remains undescribed: The ‘Water Serpents II‘ as a work of art has a long history that – how could it be otherwise – goes far into the depths and abysses of the Nazi era. It is only whispered, pregnant with meaning, that the painting can now be seen in Vienna for the first time since 1964. In keeping with Viennese’s bad habits, the background remains hidden.
The ‘Standard‘ reported on January 31, 2023, that Klimt’s well-known work once belonged to the Jewish collector Jenny Steiner, who was formerly an important patron of the ‘Secession‘ and Gustav Klimt and who was robbed of her property by the Nazis. In 1940 the ‘Water Serpents II‘ came into the possession of the Nazi propaganda director Gustav Ucicky.
According to ‘Standard‘, his widow Ursula Ucicky was never willing to enter into an agreement with Jenny Steiner’s heirs, although the painting’s ownership had been classified as a looted art case since the late 1990s.
The exhibition runs until May 29, 2023; it was curated by Markus Fellinger (Belvedere, Vienna), Edwin Becker (Van Gogh Museum, Amsterdam), and Renske Suijver (Van Gogh Museum, Amsterdam).