Führungskompetenz Jetzt! Israel muss seine Ziele priorisieren. Kommentar von Brigadier General (res.) Amir Avivi

Wie wir alle wissen, hat jeder Tag nur 24 Stunden. Was wir in dieser Zeit tun, ist entscheidend für das Erreichen unserer Ziele und eine der größten Herausforderungen, denen sich jeder Kommandant und jede Führungspersönlichkeit stellen muss.

Das ‘Israelische Verteidigungs- und Sicherheitsforum’ (IDSF-Habithonistim oder auch kurz nur ‘IDSF’) führt Forschungen durch, hält Treffen mit politischen Entscheidungsträgern, verschafft sich laut und deutlich Gehör in den Medien und fördert die Bildung. Alles, was eben wichtig ist.

Die Fähigkeit, zwischen Wichtigem und Dringlichem zu unterscheiden, ist entscheidend für unseren Erfolg, und ich verbringe viel Zeit damit, diesen Prozess zu rationalisieren.

Das Managen einer Bewegung ähnelt dem Managen eines Landes. Es gibt mehrere Themen, für die Entscheidungen getroffen werden müssen: Sicherheit, Lebenshaltungskosten, öffentliche Verkehrsmittel, die Trennung von Religion und Staat usw.

All dies ist wichtig, und wir stehen ständig vor der Notwendigkeit zu entscheiden, welches das Wichtigste, das Dringlichste ist. Aus diesem Grund konzentriert sich die jüngste Umfrage des ‘IDSF’ auf die Frage: Was sieht die israelische Öffentlichkeit als die wichtigsten Aufgaben der neuen Regierung an?

Das schmerzhafteste und wichtigste: Führungskompetenz und persönliche Sicherheit

Unser Index zeigt vor allem, dass die Sicherheitslage des Landes die größte Sorge der Öffentlichkeit darstellt. Eine Sorge sogar, die größer ist als die über die hohen Lebenshaltungskosten.

Wenn wir tiefer in die Details eintauchen, welche konkreten Sicherheitsanliegen für Israelis wichtig sind, sehen wir die eindeutige Antwort: Führungssqualität und persönliche Sicherheit.

Beispielsweise wollen 61% der israelischen Öffentlichkeit die Führungsqualität in gemischten Städten und auf Hauptverkehrsstraßen verbessert sehen, und 58% sprechen sich für die Bekämpfung von Terroranschlägen, die innerhalb Israels stattfinden, aus.

Der Themenkomplex Führungsqualität, und innere Sicherheit hatte in Israel viel zu lange einen niedrigen Stellenwert, was einen hohen Tribut fordert. Das Niveau der Führungsqualität im Land ist unverschämt niedrig. Die israelische Öffentlichkeit ist sich dessen bewusst und fordert von den Entscheidungsträgern: „Augen auf! Es besteht keine Äquivalenz zwischen den Maßnahmen, die Entscheidungsträger ergreifen, und dem, was wirklich wichtig ist.

Die israelische Öffentlichkeit ist intelligent. Führungsqualität und innere Sicherheit sind in der Tat entscheidend für die Aufrechterhaltung der Widerstandsfähigkeit Israels.

Im Mai 2021 hat sich der Vektor ‘Innere Sicherheit’ mit dem Vektor ‘Krieg’ gekreuzt. Die Folgen waren katastrophal. In einer solchen Situation können die persönliche Sicherheit und die nationale Sicherheit nicht isoliert voneinander betrachtet werden.

Die Schlussfolgerung ist klar: Wir müssen die Prioritäten unseres Landes ändern, und der inneren Sicherheit muss eine viel höhere Priorität eingeräumt werden, als heute der Fall ist. Die ‘IDSF-Habithonistim-Bewegung’ tut alles in ihrer Macht stehende, um eine solche Änderung zum Besseren herbeizuführen, was die Einrichtung einer Nationalgarde mit einschließt.

Zunächst Frieden im Nahen Osten: Frieden mit Saudi-Arabien als strategisches Gut

Abgesehen von Führungsqualität und innerer Sicherheit zeigt unser Index, dass sich eine Überzeugung, die seit Jahrzehnten als Konsens in Israel galt, fundamental verändert hat. Nämlich die Überzeugung, man müsse zuerst mit den Palästinensern Frieden schließen, um Frieden im Nahen Osten zu erhalten.

Die israelische Öffentlichkeit betrachtet dies in keinster Weise mehr als gemeinsame Überzeugung. Israels Bevölkerung sieht, dass sich die Grundlage dieser Gleichung fundamental und grundsätzlich verschoben hat. Als schlüssiger Beweis für dieser Einschätzung dient das ‘Abraham-Abkommen‘, das vor drei Jahren auf dem Rasen des ‘Weißen Hauses’ unterzeichnet wurde.

Diese Entwicklung wird auch durch die Ergebnisse der aktuellen Forschungsstudie der ‘IDSF’ bestätigt. Wenn man der israelischen Öffentlichkeit die Alternative präsentiert – Friedensabkommen mit den Palästinensern oder Friedensabkommen mit anderen Staaten im Nahen Osten –, zieht die Öffentlichkeit eindeutig letztere vor: 55 % der Israelis (und 66 % der jüdischen Bevölkerung Israels) halten die Unterzeichnung eines Friedensabkommens mit anderen Staaten im Nahen Osten für wichtiger als die Unterzeichnung eines Friedensabkommens mit den Palästinensern.

Dies zeigt, dass die israelische Öffentlichkeit die neue Regierung eindeutig unterstützt, die erklärt hat, dass eines der Hauptziele Israels darin bestehe, ein Friedensabkommen mit Saudi-Arabien zu erreichen.

Und neuerlich hat die Öffentlichkeit absolut Recht: Die Unterzeichnung eines Friedensabkommens mit Saudi-Arabien wäre nicht nur ein historischer Meilenstein, sondern auch eine strategische Meisterleistung.

Saudi-Arabien ist die führende Macht unter den sunnitisch-muslimischen Ländern. Wenn Saudi-Arabien ein Verbündeter Israels werden würde, wären Friedensabkommen mit Staaten wie Pakistan und Indonesien plötzlich in Reichweite.

Darüber hinaus würde die Unterzeichnung eines Abkommens mit Saudi-Arabien eine sunnitisch-israelische Front schaffen, die sich gegen den Iran stellen und als Aufruf an die USA und Europa dienen könnte, sich dieser Front ebenfalls anzuschließen.

Aus wirtschaftlicher Sicht schließlich wäre ein Abkommen mit den Saudis ein Katalysator für regionales Wachstum und würde zu einer Senkung der Energiepreise und der Erschließung neuer globaler Handelsnetze führen.

Wir dürfen nicht noch einmal überrascht werden. Wir müssen jetzt handeln

Bekanntlich werde ich regelmäßig in Fernsehnachrichten interviewt. Die häufigste Reaktion, die ich nach solchen Interviews erhalte, lautet: „Endlich wird unsere Stimme gehört.“ Die Öffentlichkeit dürstet nach klaren pro-zionistischen Aussagen, die auf gesundem Menschenverstand und auf der Forschung wie der Sicherheitsexpertise unserer Bewegung beruhen.

Dennoch gibt es manchmal Themen, die unter dem Radar der israelischen Öffentlichkeit bleiben und von denen man nicht erwartet, dass sie im öffentlichen Diskurs auftauchen. Eine solche Situation kann aber äußerst gefährlich sein.

Im Laufe der Geschichte kam ein Großteil der dramatischsten Ereignisse, die das Antlitz der Menschheit geprägt haben, überraschend. Als beispielsweise der ‘Arabische Frühling’ ausbrach, war dies für alle eine Überraschung, einschließlich für den israelischen Geheimdienst.

Hatte es wirklich keine Anzeichen für dieses Ereignis gegeben, das schwerwiegende Auswirkungen auf einen beträchtlichen Teil der Welt hatte? Natürlich hatte es welche gegeben, aber niemand schenkte ihnen hinreichend Aufmerksamkeit. Rückblickend ist es leicht zu sagen: „Wo waren wir denn? Warum haben wir nicht in Echtzeit gehandelt?“ Es ist jedoch nicht so einfach, solche Prozesse, Umwälzungen im Lauf der Ereignisse zu erkennen.

Es liegt in der Natur des Menschen, sich auf alltägliche Routineangelegenheiten zu konzentrieren, obwohl in Wirklichkeit die Strömungen, die unter der Erde fließen, den größten Einfluss auf Schlüsselereignisse haben und sie schließlich prägen. Natürlich sollten wir uns mit Themen befassen, die unser tägliches Leben betreffen, aber es ist nicht weniger wichtig, langfristige Trends zu erkennen und diese direkt und sofort anzupacken.

In diesem Zusammenhang müssen wir verstehen, dass dramatische Ereignisse außerhalb Israels stattfinden, die Millionen von Juden religiös, spirituell und sogar existentiell betreffen. Die Beziehungen zu Mitgliedern jüdischer Gemeinden in der Diaspora zu pflegen und sie zur Alijah zu ermutigen, spielen eine wesentliche Rolle für die Wahrung der Sicherheit Israels, die der israelischen Öffentlichkeit nicht bewusst und offensichtlich ist.

Laut einer von ‘IDSF-Habithonistim’ durchgeführten Umfrage stufen Israelis die Notwendigkeit, Juden in der Diaspora zu schützen und gegen antisemitische Handlungen in der Diaspora vorzugehen, als die am wenigsten wichtige Aufgabe ein, die der Staat Israel zu erfüllen habe.

Die israelische Öffentlichkeit priorisiert klugerweise andere dringendere Probleme, aber vielleicht unterschätzen wir die Gefahr, die mit dem weltweit steigenden Antisemitismus einhergeht. In diesem Sinne offenbart die Umfrage der ‘IDSF’ eine Gefahr, die sich gerade unter dem Radar entwickelt.

Auch wir als ‘IDSF’ bewegen uns in diesem Handlungsfeld. Unsere Mission ist es, politische Entscheidungsträger daran zu erinnern, wie wichtig es ist, unsere staatlich geführten Konvertierungsprogramme zu verbessern, unser zionistisches Ethos zu stärken, Alijah zu ermutigen, gegen die Delegitimierung Israels in den Medien und gegen den Antisemitismus an Universitäten auf der ganzen Welt zu kämpfen.

Stellen wir sicher, dass wir nie wieder überrascht werden, und packen wir diese Probleme stattdessen direkt und offensiv an.

Hinter all diesem Rauschen passiert etwas Gutes

Ich denke, es ist auch angebracht, auf einige positive Aspekte hinzuweisen, die sich aus diesem Index ergeben haben. Vor dem Hintergrund unverantwortlicher Aufrufe verschiedener Plattformen, die zu Unruhen anstiften, scheint es heutzutage populär geworden zu sein, zu behaupten, dass sich innerhalb der israelischen Gesellschaft eine Spaltung gebildet habe.

Jedoch, wenn wir uns die Daten aus unseren Studien ansehen, erkennen wir, dass hinter all diesem Rauschen eine breite Mehrheit der Israelis in einer langen Liste von Fragen bezüglich der inneren wie äußeren Sicherheit übereinstimmt.

Die ‘IDSF’ hört der israelischen Öffentlichkeit in ihrer Gesamtheit aufmerksam zu und nutzt die aus ihren Forschungsstudien gewonnenen Erkenntnisse, um Ziele zu formulieren und zukünftige Aktivitäten zu planen.

Als Vorsitzender von ‘IDSF-Habithonistim’ verspreche ich, dass ich jeden 24-Stunden-Tag nutzen werde, um sicherzustellen, dass unsere Bewegung – gemäß unserer klar umrissenen Prioritäten – Israels Sicherheit für die kommenden Generationen gewährleisten wird.

Brigadier General (res.) Amir Avivi ist Gründer und Obmann der überparteilichen, unabhängigen, zionistischen NGO ‘IDSF’. ‘IDSF’ repräsentiert rund 16.000 Reserveoffiziere und Aktivisten aus allen Zweigen der israelischen Sicherheitskräfte, die sich der Aufgabe verschrieben haben, die Erzählung über Israels nationale Sicherheitsbedürfnisse zu führen und sicherzustellen, dass Israels Sicherheit im Heimatland des jüdischen Volkes niemals als selbstverständlich angesehen wird.

Deutsche Übersetzung des Artikels ‘Governance First: Israel Must Prioritize its Objectives‘ von Brigadier General (res.) Amir Avivi, Erstpublikation durch den Blog der ‘IDSF’ am 12. Februar 2023. Mit freundlicher Genehmigung von ‘IDSF’ und dem Autor Amir Avivi, übersetzt in das Deutsche von ‘VonNaftali’. Bei Zweifel gilt das englische Original als autoritativ.