Bescheidenes Forschungsprogramm für Quantencomputer aufgelegt

Das neue Forschungsprogramm wird mit nur 650 Millionen Euro bis zum Ende der Legislaturperiode dotiert sein. Im Fokus steht die Förderung von Technologien, die in der gesteuerten Anwendung von Quanteneffekten basieren. Europa wird neuerlich abgehängt werden, da die finanziellen Anstrengungen zu gering sind.

Das von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek vorgelegte Rahmenprogramm der Bundesregierung “Quantentechnologien – von den Grundlagen zum Markt” soll erstmals die Forschung in diesem Zukunftsfeld mit einem eigenständigen Programm systematisch unterstützt werden, so das Ministerium in seinem Anspruch.

Damit zieht Deutschland dem 2017 beschlossenen dritten Flagship-Förderprogramm der EU für die Förderung von Quantentechnologie mit besonderen Fokus auf Quantencomputer nach. Hier nimmt man immerhin 1 Milliarde Euro in die Hand.

Dies mag beeindruckend klingen, ist es aber nicht, wie Dies mag beeindruckend klingen, ist es aber nicht, wie Prof. Tommaso Calarco von der Universität Ulm in einem Interview mit SPEKTRUM ausführt: “Europa kann nur mithalten, wenn die Industrie sich beteiligt. Es mag sich lächerlich anhören, aber wir betrachten die Milliarde als Anschubfinanzierung, damit größere Unternehmen auf uns aufmerksam werden.

China nahm aktuell nur zur Gründuge eines (!) Forschungsinstitutes für Quantencomputing 10 Milliarden Euro in die Hand, wie Bloomberg berichtet. Die Summen die Google, IBM und andere Techgiganten in die Hand nehmen, lassen sich nur schätzen, werden aber gewiß nicht im niedrigen einstelligen Milliarden-Bereich liegen.

Die Formulierung schließlich, wonach “….Quanteneffekte, über Jahrzehnte eine Domäne der physikalischen Grundlagenforschung, haben in der jüngeren Vergangenheit den Weg in erste technologische Anwendungen gefunden.“, erinnert ein wenig an den legendären Ausspruch der Bundeskanzlerin, das Internet sei eine neue Technologie und rundet das Bild des “Zuwenig-Zu spät” ab. Fakt ist hingegen, dass nicht erst in der jüngsten Vergangenheit Quanteneffekte qua Quantenmechanik den Weg in den Alltag gefunden haben, wie beispielsweise die allseits bekannte EC-Karte.

Schon auf Wikipedia kann man lesen: “Quantenphysikalische Effekte spielen bei zahlreichen Anwendungsfällen der modernen Technik eine wesentliche Rolle. Beispiele sind der Laser, das Elektronenmikroskop, die Atomuhr oder in der Medizin die bildgebenden Verfahren auf Basis von Röntgenstrahlung bzw. Kernspinresonanz. Die Untersuchung von Halbleitern führte zur Erfindung der Diode und des Transistors, ohne die es die moderne Elektronik nicht gäbe. Auch bei der Entwicklung von Kernwaffen spielen die Konzepte der Quantenmechanik eine wesentliche Rolle.

Im Blick dürfte die Ministerin den Quantencomputer haben, wo gerade ein globales Wettrennen stattfindet, wer den ersten stabilen Quantencomputer realisiert, aber wohl zur Enttäuschung der Ministerin, auch beim Quantencomputer wird die zu verarbeitende Information binär (den noch instabilen Qubit) dargestellt. Wackere Ansprüche, aber sie unterlegen den Eindruck, dass man nicht wirklich weiß, wovon man spricht. Ohne Digitalisierung wird keine Innovation im Bereich der Quantenphysik auskommen und die deutsche Wirtschaft wendet schon seit sehr langer Zeit die Erkenntnisse der Quantgenmechanik erfolgreich an.

Der exzellenten Grundlagenforschung ist es zu verdanken, dass wir heute überhaupt einen Einblick in dieses faszinierende Zukunftsfeld haben. Hier wollen wir anknüpfen und die starke Position der Forschung in Deutschland auf dem Gebiet der Quantenphysik ausbauen und auch nutzen. Wir wollen wissen, was nach der Digitalisierung mit ihren Nullen und Einsen kommt“, sagte Bundesministerin Karliczek und weiter: “Es gilt, die Chancen dieser neuen Schlüsseltechnologie zu ergreifen, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit und damit Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern.

Wie auch immer es sich verhalten mag, entscheidend ist, dass wohl in den Vergabegremien sachkompetente Entscheider sitzen werden, die entsprechende Auswahl treffen können. Im Fokus des Rahmenprogramms soll “…der Ausbau der Forschungslandschaft mit Kompetenzzentrum, Netzwerken und Verbundprojekten mit der Wirtschaft sein, die Einrichtung von Forschungsgruppen für Nachwuchswissenschaftler und auch die Klärung von Fragen im Zusammenhang mit der Fachkräfteausbildung der aufkommenden Quantenbranche. Gegenstand der Forschung und Entwicklung sind beispielsweise die Satellitenkommunikation, das Quantencomputing und neue Messtechnik für leistungsfähigere und sichere Datennetze. Zudem soll über das neue Programm das öffentliche Verständnis von Quantentechnologien gefördert werden.” Damit darf man beruhigt sein.

Neben dem BMBF beteiligen sich das Wirtschafts-, das Innen- und das Verteidigungsministerium mit je eigenen Maßnahmen an dem Programm.

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