Studie: „Mythos der gläsernen Klippe“: Frauen in Führungspositionen

Der Begriff der „gläsernen Klippe“ („glass cliff“) geht auf eine Studie zurück, die die Ernennungen in Vorstandspositionen britischer Unternehmen im Jahr 2005 analysierte und diese mit der Geschäftsentwicklung der Firmen abglich. Die Autoren Ryan und Haslam kamen zu dem Ergebnis, dass in der Tat Unternehmen mit einer negativen Geschäftsentwicklung häufiger Frauen als Männer in Vorstandsämter beriefen

Werden Frauen typischerweise dann in Führungspositionen berufen, wenn es dem Unternehmen schlecht geht, sodass die Gefahr ihres Scheiterns hoch ist? Dieser Frage nach prekären Führungssituationen geht eine Studie von Prof. Dr. Christina E. Bannier, Professur Banking & Finance am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), Prof. Dr. Myriam Bechtoldt, Universität für Wirtschaft und Recht EBS, Oestrich-Winkel, und Björn Rock, M.Sc., JLU, nach. Die Studie mit dem Titel „The Glass-Cliff Myth – Evidence from Germany and the UK“ ist jetzt im Fachmagazin „The Leadership Quarterly” erschienen.

Die ergänzende Studie von Bannier, Bechtoldt und Rock greift die Fragestellung jetzt neu auf und untersucht Daten aus Deutschland und Großbritannien über einen Zehnjahreszeitraum (2005 – 2015). In beiden Ländern werden die jeweils größten börsennotierten Unternehmen betrachtet.

Anhand unterschiedlicher Analysemethoden, die darauf ausgerichtet sind, nicht nur bloße korrelationale Zusammenhänge, sondern Kausalitäten herzuleiten, kann das Autorenteam zeigen, dass die „gläserne Klippe“ für die untersuchten Unternehmen keine Rolle zu spielen scheint. Im Gegenteil: „Deutsche Unternehmen weisen vor der Ernennung von Frauen in Vorstandspositionen sogar eine im Durchschnitt etwas bessere Geschäftsentwicklung auf als vor der Ernennung von Männern“, sagt Bannier. Interessanterweise reagiere der Finanzmarkt jedoch – selbst in Bezug auf die wenigen Unternehmen mit schlechter Geschäftsentwicklung – auf die Ernennung von Frauen besonders positiv. Ein solcher Wechsel im Management scheine somit von Investorenseite durchaus Unterstützung zu finden

 

 

 

 

Originalpublikation: Myriam N.Bechtoldt, Christina E.Bannier, Björn Rock: The glass cliff myth? – Evidence from Germany and the U.K., 11 Dec 2018
https://doi.org/10.1016/j.leaqua.2018.11.004

 

 

(Aussender/Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen/Lisa Dittrich)

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