Deutschlands führende DAX-Unternehmen scheinen strategisch den Weg des Juniorpartners einschlagen zu wollen, so wie beispielhaft die Kooperation zwischen Daimler und NVIDIA, wie auf GLOCALIST berichtend kommentiert, Hinweis gibt.
Auch die Deutsche Bank dürfte diesen Weg mit Google eingeschlagen wollen, denn in fast jeglicher Hinsicht (z.B. Marktkapitalisierung, IT- und KI-Kompetenz) ist Google/Alphabet der Deutschen Bank turmhoch überlegen und größer. Eines hat Google im Gegensatz zur Deutschen Bank freilich noch nicht; eine 150 Jahre alte Geschichte.
So erfährt man in der Pressemitteilung der Deutschen Bank worin die Hoffnung liegt: In der Cloud, innovative, neue Produkte zu entwickeln und vielleicht schwarze Zahlen in 10 Jahren daraus zu schreiben, wie das Manager Magazin berichtet.
Bis dahin heißt es wohl rote Zahlen und investieren: “Die Deutsche Bank (XETRA: DBKGn.DB / NYSE: DB) und Google Cloud gehen eine strategische Partnerschaft ein, um Finanzdienstleistungen auf eine neue Weise zu entwickeln und anzubieten. Diese Partnerschaft ist einzigartig, weil sie der Deutschen Bank nicht nur Zugang zu erstklassigen Cloud-Dienstleistungen sichert. Vielmehr können die beiden Unternehmen künftig auch gemeinsam Innovationen vorantreiben, um die nächste Generation technologiebasierter Finanzprodukte für Kunden zu entwickeln. Beide Parteien haben eine Absichtserklärung (Letter of Intent) unterzeichnet und planen, in den nächsten Monaten einen Vertrag mit mehrjähriger Laufzeit zu vereinbaren.“
Bemerkenswert an dieser Cloud-Strategie ist, dass gerade an einer anderen Ecke und schwer subventiert von deutschen Ministerien die deutsche Sprunginnovationagentur SprungD in Leipzig sich bemüht Traktion und Sichtbarkeit zu entwickeln. Eines der Vorhaben ist die Schaffung einer europäische Cloud und IT-Struktur und als eines der ersten Vorzeigeprojekte für SprungD gilt.
Hier will man nicht weniger als die erste kollaborative Cloud-Infratsruktur schaffen, so die Eigendarstellung. Betreiber dieses Vorhabens Kurt Garloff sagt: “Entweder sie betreiben weiter altmodisch-europäisch-manuelle IT – mit eigenen Rechenzentren, Serverräumen, aber auch mit langwierigen Bestell-, Genehmigungs-, Implementierungs- und Change Managementprozessen. Das schützt die Daten, ist aber träge und teuer. Oder sie modernisieren und automatisieren sich infrastrukturell, mit amerikanischen oder chinesischen Cloud-Lösungen – dann aber geben sie die Kontrolle über ihre Daten komplett auf. Keine gute Situation.”, was die Anmutung der Juniorrolle der Deutschen Bank unterstreicht und tja, “keine gute Situation” darstellt.
Augenscheinlich sollten vielleicht die Deutsche Bank und SprungD miteinander sprechen, um es mal sehr freundlich und diplomatisch und ohne Sarkasmus auszudrücken, der einem doch bedrängt, lässt man diese Konstellation auf sich wirken. In Deutschland wird gut und gerne über Vernetzung und Austausch gesprochen, doch die Realität sieht augenscheinlich anders aus.
In diesem Zusammenhang soll auch ein anderes Vorhaben der SprungD nicht ungenannt bleiben: Der Analogcomputer. Ob dieser in Performance und Innovationskraft wie Disruptionspotential mit dem Quantencomputer, wie ihn gerade Google entwickelt, sich wird matchen können, darf man bezweifeln. Ein wenig kommt da einem das Bild von “Steam Punk” versus “Star Trek” vor das geistige Auge.
Insofern dürfte die Entscheidung der Deutschen Bank nicht die schlechteste gewesen zu sein, denn Google wird dieses Match sehr wahrscheinlich gewinnen; einmal mehr, wie auch die mild freundlichen Worte von Google/Alphabet interpretiert werden können: “„Seit mehr als 150 Jahren ist die Deutsche Bank ein Pionier der Bankenbranche, und sie kann auf eine starke Innovationstradition im Bereich Finanzdienstleistungen verweisen“, sagt Sundar Pichai, CEO von Google und Alphabet. „Wir freuen uns über unsere strategische Partnerschaft und die Möglichkeit, dass Google Cloud die Deutsche Bank und ihre Kunden künftig dabei unterstützen kann, ihre Geschäfte auszubauen und die Zukunft von Finanzdienstleistungen mitzugestalten.“
Man könnte aber auch auf eine andere Idee über diese Kooperation, die recht einseitig wirkt, kommen. Es würde wenig überraschen, wenn nach einer zehnjährigen Kooperation die Übernahme der Deutschen Bank durch Google raus kommt.
Sender/Quellen: Deutsche Bank, SprungD, Manager Magazin, Glocalist