Geplanter Hamburger Innovationsfonds kommt nicht an den Start. Ein fatales Beispiel der Angst- und Risikovermeidungskultur in Deutschland.

In einer gestrigen Pressemitteilung teilt die Stadt Hamburg mit, dass die Etablierung eines Risikokapitalfonds für Innovation mit bescheidenen 100 Millionen Euro Volumen gescheitert sei.

So heißt es in der Pressemitteilung, die mit anderen Brillen gelesen, schonungslos das Problem deutscher VCs und Finanzmarktstrukturen imho beispielhaft beschreibt und auch durch alltägliche persönliche Erfahrungen sich unterlegt: Die german Angst vor Risiko und vielleicht auch das Nicht-Verstehen, wenn ein neues Paradigma und Chancen, die immer mit Risiko verbunden sind, auf einem zukommen.

Da wird monatelang gezaudert und “man” will vor allem eine unbezahlte Vorleistung nach der anderen sehen. Man gewinnt den Eindruck, dass Angst die deutsche VC-Szene dominiere, der Kapitalgeber, besonders aus dem Mittelstand, kaum bereit ist, in das Ungewisse zu investieren, in das Risiko zu gehen.

Erst wenn man das Risikokapital zu 100% zu besichern bereit ist und für lau als Startup arbeitet, ist der “Risikokapitalgeber” bereit in das “Risiko” zu gehen. Man sieht rasch, woran es scheitert. Man könne ja nicht investieren, wenn man Person X oder Y nicht jahrelang kenne und man nimmt erst Geld in die Hand, wenn das Startup erfolgreich ist und will den quick-win nach drei Monaten sehen.

So sterben Old-Boys&Girls Network, weil sie neue, vielleicht junge oder einfach schlicht ihnen unbekannte Boys&Girls nicht mehr zulassen. Der biologische Imperativ löscht sie schließlich aus.

So liest sich dies nüchtern in der Pressemitteilung, wo man implizit auch gleich versucht klarzustellen, man habe mit dem Scheitern alles richtig gemacht und der Prozess war makellos: “Mit dem Risikokapitalfonds sollten innovative Startups gefördert werden. Da seit der BaFin-Zulassung vor einem Jahr keine ausreichende Anzahl an privaten Investoren gewonnen werden konnte und weil das aktuelle wirtschaftliche Umfeld Fundraising deutlich erschwert, wird das Projekt nun eingestellt. Der Hamburger Innovations- und Wachstumsfonds sollte mit einem Fondsvolumen in Höhe von 100 Mio. Euro ausgestattet werden. Davon sollten bis zu 10 Mio. Euro über die Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB Hamburg) zur Verfügung gestellt werden, 90 Mio. Euro sollten private Investoren einbringen. Ziel des Fonds sollte es sein, innovative Startups zu fördern, um die bestehende Finanzierungs- und Förderlücke in der Wachstumsphase junger innovativer Unternehmen zu schließen. Seit Ende 2018 war ein per Ausschreibungsverfahren ausgewählter, privater Fondsmanager damit beauftragt, private Mittel für den Fonds einzuwerben.” Tja.

Blickt man beliebig nach beispielsweise Israel, so gründet sich – polemisch gesprochen – fast wöchentlich einen Risikokapitalfonds, der mit der eher als Kleingeld erachteten Summe von 100 Millionen ausgestattet ist.

So beispielsweise, einfach mal random, schnell gesucht und gefunden, der Cybersecurity Fonds aus Tel Aviv, der im Mai des Jahres, auch unter Corona-Bedingungen, mal schnell 100 Millionen USD Risikokapital aufstellte und in einem Fonds bündelte.

Dies gesagt, denn in der Pressemitteilung der Stadt Hamburg liest man weiter, dass es augenscheinlich vor allem der Coronoa-Pandemie geschuldet sei. Warum nur in Deutschland, aber in Israel oder den USA beispielsweise nicht dieser böse Pandemiehintergrund negativ sich auswirkt, bleibt Geheimnis und so blickt man mit Erstaunen auf diese Zeilen: “Da vor dem Hintergrund der Coronapandemie die Bereitschaft von Investoren, risikoreiche Engagements einzugehen, weiter gesunken ist, wurde der Vertrag mit dem Fondsmanager nun einvernehmlich aufgelöst.” Vor allem die Wendung “weiter gesunken” ist beredt und zeigt deutlich die rote Stelle an.

Die “Bereitschaft” risikoreiche Engagements einzugehen, war augenscheinlich schon im Keller, so sei diese “Bereitschaft” noch einmal gesunken. Da hilft auch keine Backing der Stadt Hamburg mehr. Dabei sind die Rücklagen in der deutschen Wirtschaft aber auch beim Privatmann bzw. bei der Privatfrau als Sparer absurd hoch. Er lässt sich lieber sein Kapital durch Inflation und Nullzinsen fressen, als etwas zu “riskieren”. So riskiert man eigentlich alles, denn Stillstand und Abwarten sind die größten aller Risken.

Und Startups in den USA wie Israel werden von VCs eher Angebote gelegt, zumindest wird auf Augenhöhe gesprochen, denn wahnwitzige und nicht selten übergriffige Striptease-Limbos unter finanziell sehr niedrig gelegten Latten abzuverlangen. So entstehen nun mal nicht vibrierende, innovative Startups und Eco-Systeme, wie eben in Israel oder in den USA, wo auch Universitäten maßgebliche Treiber sind, wie auf GLOCALIST berichtet.

Man träumt von dem großem Geld, den tollen Startups, blickt begehrlich auf Silicon Valley (USA) und Silicon Wadi (Israel), aber will dies für Lau und ohne Risiko haben. Da nützt es auch nur mehr wenig, wenn die Stadt Hamburg ihre weiteren Instrumente in selbiger Pressemitteilung auslobt, wo man sich fragt, warum es denn nun besser werden soll: “…Anfang 2020 (wurde; Anm.) durch die IFB Hamburg im Auftrag der Stadt das Hamburger Investoren Netzwerk (HIN) gegründet, um Privatinvestoren und Startups zu vernetzen.

Privatinvestoren also, die schon vorher nicht bereit waren in einem Risikokapitalfonds mit der Stadt Hamburg im Hintergrund zu investieren, sollen bei “Vernetzung” dann plötzlich und willig Geld in die Hand nehmen? Bist Du ohne Rat, gründe einen Arbeitskreis. Heute nennt man dies Vernetzung, meint aber aber eigentlich die künstliche Beamtung von Old-Boys&Girls-Netzwerke. Es scheint als bräuche der VC-Kapitalmarkt in Deutschland bzw. in Europa eine Disruption. Wie die gehen könnte, kann man gegen bezahlten Rat und Tat gerne erfahren.

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