Eine aktuelle Untersuchung bestätigt, was man auch anderorts wie in Europa und den USA beispielsweise beobachten und man wohl als ein globales Phänomen erachten kann: Die Pandemie löst auch schwere Depressionen und Angszustände aus.
Man muss dies Angst und Depression als Auswirkung zum Krankheitsbild hinzufügen. Zu den Symptomen der Pandemie gehören nicht nur Atmenot bis Atemstillstand und Tod, sondern auch Ängste und Depressionen, die einen großen Teil der Bevölkerung erfassen. Man kann von einer pandemischen Angst- und Depressionswelle sprechen.
Das besonders Bedrohliche daran: Hier stehen de facto keine Kapazitäten zur Verfügung. Weder in Europa, Russland, USA oder sonstwo. Die Menschen sind alleine mit ihren Ängsten und Depressionen. Nur auf die intensivmedizinische Situation allein zu blicken, ist fatal und falsch.
Das Gesundheitssystem steht auch in diesem Aspekt- der psychologischen Notsituation – vor einer Überforderung. Und hier hat man es mit rund 30% der Bevölkerung zu tun.
Psychologischer Notstand – Sofortiges Handeln gefordert
Eine neue Studie der Universität Tel Aviv und des Academic and Technology College of Tel-Hai zeigt, dass seit dem Ausbruch der Pandemie die Symptome von Angst und Depression deutlich zugenommen haben.
Die Studie wurde von Dr. Bruria Adini von der Abteilung für Notfall- und Katastrophenmanagement an der School of Public Health, Sackler Faculty of Medicine, Universität Tel Aviv, sowie von Prof. Shaul Kimhi, Prof. Yohanan Eshel und Dr. Hadas Marciano, Forscher am Resilience and Stress Research Center am Tel-Hai College, geleitet.
So fragen sich die Studienatutoren auch: “Darüber hinaus wirft die Studie weitere Fragen auf, wie z.B.: Sind Israels psychologische und psychiatrische Einrichtungen in der Lage, mit einem Phänomen dieses Ausmaßes umzugehen, und sind sie bereit, eine wirksame Behandlung für ein solches Spektrum von Angst- und Depressionsmanifestationen anzubieten? Wir müssen uns auch fragen, ob Menschen, die sich depressiv oder ängstlich fühlen, überhaupt versuchen, Hilfe für ihren psychischen Zustand zu bekommen. Verfügt das israelische Gesundheitssystem über wirksame Möglichkeiten, sie frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, bevor sich ihr Zustand verschlechtert? Und welche langfristigen Auswirkungen könnten diese psychischen Folgen für die Betroffenen, ihre unmittelbare Umgebung und sogar für das Land insgesamt haben? Diese Fragen erfordern sofortige Aufmerksamkeit.“
In der Studie beobachteten die Forscher, wie Mitglieder der erwachsenen jüdischen Bevölkerung mit der Covid-19-Krise zurechtkamen. Die Studie wurde unter einer Stichprobe von 804 Befragten durchgeführt.
Angst
Die Studie zeigt, dass auf dem Höhepunkt der zweiten Welle (Oktober 2020) fast jeder dritte Mensch in Israel (29%) unter extremen oder sehr extremen Angstsymptomen litt.
Die Daten zeigen einen starken Anstieg der Angstrate im Vergleich zur ersten Pandemieabwehr (Mai 2020), als fast jeder vierte Befragte (23%) über mittlere bis hohe oder sehr hohe Angstzustände berichtete.
Im Vergleich dazu ergab eine Untersuchung des Grades der Angst in Israel im Jahr 2018, etwa zwei Jahre vor der Pandemie, dass nur eine von zehn Personen (etwa 12%) angab, sehr oder sehr stark besorgt zu sein.
Depression
Die Daten zeigen auch, dass das Ausmaß der Depressionen im vergangenen Jahr stark angestiegen ist: Auf dem Höhepunkt der zweiten Welle (Oktober 2020) stellt die Studie fest, dass jeder fünfte Befragte (20%) in Israel über ein hohes oder sehr hohes Maß an Depressionen berichtet.
Als der Lockdown nach der ersten Welle aufgehoben wurde (Mai 2020), berichteten nur 14% der Befragten (einer von sieben) über ein hohes oder sehr hohes Niveau an Depressionen.
Im Vergleich dazu berichteten im Jahr 2018 nur 9% der Bevölkerung (weniger als jeder Zehnte) über ein hohes oder sehr hohes Maß an Depressionen.
Mentale Resilienz
Die Studie zeigt die Auswirkungen der Covid-19-Krise und den schweren Schaden für die psychische Belastbarkeit der Bevölkerung auf. Der starke Anstieg der Rate der Menschen, die unter Symptomen von Angst und Depression leiden, ist sehr beunruhigend.
In den meisten Fällen deutet dies auf psychische Schäden hin, die äußerlich nicht sichtbar sind und daher nicht richtig behandelt werden. Es muss betont werden, dass Angst und insbesondere Depressionen das tägliche Funktionieren der Bevölkerung negativ beeinflussen können, wie z.B. die Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit zu Hause, die Arbeit, die aktive Teilnahme am Gemeinschaftsleben, die Pflege der Gesundheit und so weiter.
Vor allem gilt: Je mehr Menschen an Symptomen einer Depression leiden, desto weniger motiviert und gewillt sind sie, zu kooperieren und den Regierungsaufträgen zur sozialen Distanzierung oder anderen Einschränkungen nachzukommen.
Man kann davon ausgehen, dass die Lage in Europa ähnlich ist.
Quelle/Sender (ausgewählt, red. bearbeitet, endübersetzt, gekürzt, gruppiert von Glocalist): TAU