Antisemitismus in Deutschland: Schreit nie wieder „Nie wieder“! Von Attila Tari

Ein paar sehr persönliche Worte in eigener Sache an alle Freunde, Bekannte, Journalistenkollegen, aber auch an Fremde, die nicht verstehen (wollen), warum man sich als Jude in Deutschland nicht (mehr) wohl und erst recht nicht (mehr) daheim fühlt.

Es war der 20. Dezember 1977 als ich im Alter von 18 Jahren mit meiner Mutter und drei Koffern am alten Riemer Flughafen landete. Unsere Maschine rollte zum Gate und das erste was ich rechts von uns erblickte, war ein Flieger der ‘EL AL’ mit dem stolzen Davidstern. “Es ist mehr als eine Fluglinie, es ist Israel“ – lautet ihr Slogan.

Wie wahr das ist, zeigte schon meine Reaktion. Innerhalb von Sekunden liefen Tränen der Rührung über meine Wangen. Ich durfte bis dahin noch nie ein Flugzeug aus #Israel leibhaftig bewundern. München sollte nur die erste Station unserer Emigration werden. Ich hätte damals schon am liebsten Alija gemacht – so nennen wir Juden die Heimkehr nach Israel – aber meine jiddische Mamme verbot es mit den Worten: „Du bist mein einziger Sohn und ich würde es nicht überleben, wenn du in Israel als Soldat getötet werden würdest.“

Als Überlebende der Schoa wußte sie zu gut, was Krieg und Verfolgung bedeuten. Also gab ich ihrem Wunsch nach. Ob aus Liebe zu ihr oder aus Feigheit – weiß ich bis heute nicht. Ich glaube aus heutiger Sicht, sowohl als auch. Sie wollte in die USA, aber die wollten uns nicht. So beantragten wir Asyl in Deutschland und gleichzeitig die Einwanderung nach Kanada.

Da es den deutschen Behörden nach kurzer Zeit klar war, dass wir alles, bloß keine Wirtschaftsflüchtlinge sind, bekam wir schon nach knapp 9 Monaten Asyl und als Kanada uns auch willkommen hieß, wollte ich nicht mehr weg. So lebe ich nun seit 43 Jahren in der ehemaligen „Hauptstadt der Bewegung“ und bin gar seit mehr als 30 Jahren auch deutscher Staatsbürger. Und damit bin ich endlich mitten in der Geschichte, warum ich heute überhaupt schreiben – nein eigentlich laut (auf)schreien muss!

Ich dachte sehr lange, dass ich hier tatsächlich ein neues Zuhause gefunden habe, wo ich als Jude ohne Angst in Frieden leben kann. Ich war der felsenfesten Überzeugung, die Deutschen hätten sich mehrheitlich verändert und haben nichts mit ihren Vorfahren zu tun, die damals entweder fleißig mitgemacht, oder zumindest weggesehen haben bei der Schoa, die 6 Millionen Juden das Leben kostete.

Mein Glauben an dieses „neue Deutschland“ bekam während des letzten Gaza-Krieges die ersten größeren Risse, die ich noch versucht habe, irgendwie zu „übermalen“. Doch In den letzten Tagen habe ich wieder eine Menge dazugelernt und dabei feststellen dürfen, dass ich jahrzehntelang vermutlich eine Fata Morgana gejagt habe. „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“ – heißt eine alte Redewendung, die scheinbar auch rückwärts durchaus funktioniert. Wie auch die (deutsche) Geschichte!

Meine “ehrenwerten” deutschen Kollegen berichten seit Tagen von der Zuspitzung des “Nahostkonflikts” und unsere pseudobesorgten Politiker fordern, dass die “Gewaltspirale” zurückgedreht und beide Seiten eine friedliche Lösung finden. Wenn ich nun diesen Duktus als Maß anlege, müsste ich die Geschichte umschreiben. Demnach war der Holocaust kein Völkermord, sondern lediglich ein „Konflikt“ zwischen Deutschen und Juden. Seltsam dabei, dass die Juden die Deutschen weder angreifen, noch auslöschen wollten, während die Nazis sich auch offiziell dazu bekannt haben, unser Volk vollständig zu vernichten.

Das tut übrigens seit der Gründung bis heute auch die Hamas. In ihrem Charta steht u.a. klar und deutlich: „Die Stunde des Gerichtes wird nicht kommen, bevor Muslime nicht die Juden bekämpfen und töten, so dass sich die Juden hinter Bäumen und Steinen verstecken, und jeder Baum und Stein wird sagen: ‘Oh Muslim, oh Diener Allahs, ein Jude ist hinter mir, komm und töte ihn!’“ „Die Islamische Widerstandsbewegung ist eine eigenständige palästinensische Bewegung, (…), die dafür kämpft, dass das Banner Allahs über jeden Zentimeter von Palästina aufgepflanzt wird.“ Und IHR nennt das einen Konflikt, der friedlich gelöst werden soll? Ernsthaft? Nett!

Zum Glück kann sich Israel inzwischen selbst verteidigen! Das jüdische Volk wird sich NIE WIEDER wehrlos auf die Schlachtbank führen. Und das ist auch gut so! Um meine Unterstützung zu zeigen, ging ich gestern mit einigen jüdischen und auch nicht jüdischen, deutschen Freunden und Freundinnen zur Solidaritätskundgebung mit Israel am Münchener Odeonsplatz.

Es ist eine Sache, dass wir Dank eines massiven Polizeiaufgebots vor Übergriffen verschont blieben und eine andere, dass im Vorfeld von der Israelitischen Kultusgemeinde ein Newsletter verschickt wurde, da 1 Stunde vor Beginn auch die Freunde des Terrors losmarschieren wollten.

Betreff: Dringend: Sicherheitshinweis wegen pro-palästinensischer Demonstration in der Innenstadt“ Darin stand neben dem Hinweis noch u.a.:• „Meiden Sie die Orte auf der Route der pro-palästinensischen Demonstration unmittelbar vor, während und nach der Kundgebung. • Zeigen Sie auf dem Weg zu und von unserer Demonstration keine Israel- Flaggen o.Ä. • Auch wenn das Jüdische Zentrum und der Jakobsplatz nicht Teil der Route sind, kann nicht ausgeschlossen werden, dass Teile des pro- palästinensischen Demonstrationszuges sich selbstständig hierhin begeben. Wir raten in dieser Situation allgemein zu besonderer Vorsicht!“

Für alle, die vielleicht etwas begriffsstutzig sein mögen: Im Jahre 2021 muss ich mich als Jude in der „Weltstadt mit Herz“, wie München auch liebevoll genannt wird, verstecken, erst recht, wenn ich auch noch offen Flagge für den jüdischen Staat zeige! Aber daran haben wir uns fast schon gewöhnt. Eigentlich! Nicht umsonst werden alle jüdischen Einrichtungen seit Jahrzehnten bewacht und sehen wie Festungen aus.

Was mich noch betroffener macht, ist die Reaktion der überwiegenden Mehrheit der Deutschen, von der ich dachte, sie sei eben anders als ihre Vorfahren und hätte aus der Geschichte gelernt. Ehre den Ausnahmen! Denn es sind Ausnahmen, die für uns und Israel einstehen! Die Mehrheit von EUCH liebe Freunde, Bekannte, Journalistenkollegen, aber auch Fremde, verhält sich wie damals!

IHR schaut entweder weg oder macht mit, wenn es wieder zum Völkermord an Juden aufgerufen wird. Wie soll ich sonst EURE ohrenbetäubende Stille verstehen? Vor wenigen Monaten zeigten allein 15 000 Menschen zu Recht ihre Solidarität mit der #BlackLivesMatter Bewegung auf dem Königsplatz in München. Und gestern?

Es waren vielleicht 100-150 Teilnehmer bei der Pro-Israel Kundgebung, von denen gut 80 Prozent Juden waren. Was ist denn mit #JewishLivesMatter? Eben NICHTS! Wir sind EUCH anscheinend genauso egal, wie unsere Vorfahren schon EUREN Vorfahren egal waren! Anscheinend gefallen EUCH nur tote Juden, die IHR mit euren verlogenen Gedenkveranstaltungen jährlich ehrt! Lebende Juden sind EUCH wohl immer noch suspekt, aber zumindest irrelevant! Wäre es nicht so, müssten Millionen Deutsche seit Tagen für Israel demonstrieren!

Und so habe ich „nur“ eine Bitte an alle, ob Freunde, Bekannte, Journalistenkollegen, Fremde und Politiker wie #Maas, #Steinmeier, #Merkel oder wie sie alle heißen! SCHREIT NIE WIEDER „NIE WIEDER!“

Meine Gedanken sind bei meinen Schwestern und Brüdern in ISRAEL, der Heimat des JÜDISCHEN VOLKES!

#Antisemitismus#IsraelUnderAttack