Die Deutsch – Israelische Gesellschaft (DIG) – Gestern und heute. Ein Kommentar von Petra Paspa

Die Deutsch – Israelische Gesellschaft in den Neunziger Jahren

Ich war von 1990 bis 1999 in der ‘Deutsch – Israelischen Gesellschaft’ (DIG) aktiv. Für mich waren die Veranstaltung, die Jahreshauptversammlungen und das Jugendforum immer die Highlights des Jahres.

Nirgendwo sonst konnte man so viele interessante Persönlichkeiten kennen lernen und auch so viel lernen, über Israel, fürs Leben. Egal ob Ignatz Bubis, der damals noch Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland war oder Hans Koschnik (SPD), der damalige Präsident der DIG, der von seinen Erlebnissen in Mostar erzählte, man kam diesen beeindruckenden Menschen sehr nahe.

Bei den Jahreshauptversammlungen der DIG war oft auch der israelische Botschafter anwesend. Die Ansichten von Asher Ben-Natan, dem ersten israelischen Botschafter in Deutschland, die konnte man sich einfach so, in einem gemütlichen Gespräch, am Abend anhören.

Wer sich für Israel interessiert, für den war das Jugendforum eine Fundgrube. Die jährlichen Seminare, egal ob über die verschiedenen Einwanderungswellen in Israel, die Kriege, die im Nahen Osten geführt wurden, warum und wieso, nirgendwo sonst bekam man so viel geballte Informationen.

Dazu der Austausch mit Gleichgesinnten, der Austausch mit israelischen Jugendlichen und Freunden. Das Internet steckte damals noch in seinen Kinderschuhen. Man musste sich ansonsten die Informationen mühsam zusammensuchen.

Die Deutsch – Israelische Gesellschaft heute

§2 Aufgaben und Ziele der Gesellschaft (1) Vorrangige Aufgabe der Gesellschaft ist es, die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel in allen Fragen des öffentlichen und kulturellen Lebens zu vertiefen. Die Gesellschaft dient der Förderung internationaler Verbundenheit, der Toleranz und der Verständigung der Völker, insbesondere im Nahen Osten.

Statuten der DIG

Wie sehe ich die DIG heute? Zuerst habe ich die Aufgaben und Ziele der Deutsch -Israelischen Gesellschaft noch mal aufgeführt. Die DIG ist eine vom deutschen Staat geförderte Organisation, die sich die Zusammenarbeit von Deutschland und Israel auf die Fahne geschrieben hat und die Verständigung der Völker im Nahen Osten. Die Zusammenarbeit der DIG und Israel hakt in letzter Zeit aber schon ein wenig.

Wenn ich mir den Konflikt mit ‘Im Tirtzu’, einer israelischen, prozionistischen Organisation mit der DIG so anschaue, dann verstehe ich nicht, warum die DIG nicht einen Referenten von Im Tirtzu für die Arbeitsgemeinschaften empfehlen konnte. An dem vorgeschobenen Argument der Finanzierung kann es nicht gelegen haben.

https://twitter.com/DIGeV_de/status/1608428807316275206?s=20&t=8L9QtG8_lCPf_TUeEmxaYg



Die Gratulation der DIG zur Wahl von Netanyahu zum Wahlsieg fiel dazu äußerst sperrig aus. Natürlich gibt an der Koalition, die Netanyahu eingegangen ist, einiges zu kritisieren. Aber ist es unter Freunden eigentlich üblich, erst zu Wahlsieg zu gratulieren und Stunden später gleich die erste Kritik zu veröffentlichen?



Vor allem da die beanstandete Gesetzesänderung, ob Hoteliers in Israel LGBT -Personen in ihren Hotels übernachten lassen müssen, zu diesem Zeitpunkt bereits wieder vom Tisch war.

Das ‘Simon -Wiesenthal -Center’ in Los Angeles bringt jedes Jahr einen Bericht zum Antisemitismus in der Welt heraus.
Deutschland ist leider im diesjährigen Bericht stark vertreten. Kein Wunder.

Die Rede im Kanzleramt von Abbas über die „50 Holocausts“, die Documenta 15, der Anschlag auf die Synagoge in Essen. Und es gibt deutsche Antisemitismusbeauftragte, die nichts dazu sagen.

Warum Volker Beck, der derzeitige Vorsitzende der DIG, allerdings dazu meint, allein die Benennung von Antisemitismus fördere den Antisemitismus in Deutschland, das erschließt sich mir nicht.

https://twitter.com/DIGeV_de/status/1611285981696499712?s=20&t=8mUxcmoiv7jFmkY7VYhGEQ

Vielleicht besinnt sich die DIG noch einmal auf ihre Aufgaben und vertieft die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Israel und den Völkern im Nahen Osten.

Vielleicht ist es aber auch Zeit für eine neue, proisraelische, prozionistische Organisation. Probleme gibt es etliche im Nahen Osten. Unterstützung in den Verhandlungen mit Abbas, mit der ‘Fatah’, da könnte ich mir einige deutsche Politiker vorstellen, die da unterstützend wirken könnten.

Petra Paspa, vormalig Mitglied der DIG, lebt im Allgäu (Bayern) und ist verheiratet.

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