Die ‘Villa Seligmann’: Ausstellung Jacob Teitel und Konzert Lebensmelodien – D/E

Am 1.2.23 wird in der „Villa Seligmann – Haus für jüdische Musik“ in Hannover (Deutschland) die erste Ausstellung des neuen bürgerlichen Jahres eröffnet: „HELFEN BEDEUTET LEBEN – Jacob Teitel und der Verband russischer Juden in Deutschland (1920–1935)“.

Nach der Russischen Revolution von 1917 flüchteten Tausende Jüdinnen und Juden nach Deutschland. Jacob Teitel (1850–1939) gründete im Zuge dessen den „Verband russischer Juden in Deutschland“ (1921-1935), um ihnen spirituelle und materielle Unterstützung angedeihen zu lassen.

Teitel stammte selbst aus dem russischen Judentum und bemühte sich nach seiner eigenen Flucht für den Aufbau von Kontakten mit deutschen Juden. Als Vorsitzender des Verbandes setzte er sich für die Rechte der russisch-jüdischen Flüchtlinge sowohl in Deutschland als auch auf internationaler Ebene ein.

Siegmund Seligman portraitiert von Max Liebermann

Bis 1935 konnte der Verband in Deutschland aktiv bleiben; seine Nachfolgeorganisationen arbeiteten in Frankreich (1935–1965) und den USA (1941–1965) und konnten zunächst für das Überleben von Juden innerhalb Deutschlands sorgen und sie später bei ihrer Flucht nach Palästina oder in die USA unterstützen.

Die ausgestellten Bilder, Objekte und Dokumente bieten konkrete Einblicke in Einzelbiografien und Lebensgeschichten. Die Ausstellung kann dienstags, 10 – 16 Uhr, nach Voranmeldung besichtigt werden.

Die „Villa Seligmann“ wurde im Auftrag des jüdischen Bankkaufmanns Siegmund Seligmann (geb. 19.8.1853 in Verden / Aller, gest. 12.10.1925 in Hannover) für sich und seine Familie erbaut. Im Jahr 1910 portraitierte ihn Max Liebermann. Das Bildnis ist heute vor Ort als Dauerleihgabe der Nachfahren ausgestellt.

Seligmann trat 1876 als Prokurist in die Firma „Continental Caoutchouc- und Gutta-Percha-Compagnie“ ein. Drei Jahre später war er bereits im Vorstand der Firma tätig und unter seiner Leitung entwickelte sich Continental zu einem Unternehmen von Weltrang.

Im Jahre 2006, 100 Jahre nach dem Einzug der Familie Seligmann in jene Villa, die heute als „Haus für jüdische Musik“ bekannt ist, wurde die „Siegmund Seligmann Stiftung“ auf Initiative von Professor Andor Izsák ins Leben gerufen.

Izsák wurde 1944 in Budapest geboren und studierte u.a. an der dortigen Franz-Liszt-Musikakademie. Bereits zu seinen Studienzeiten amtierte er als Organist an der Budapester Großen Synagoge in der Dohány Straße, der größten Synagoge Europas mit etwa 3000 Sitzplätzen.

Am 26. Januar wird es in der „Villa Seligmann“ anlässlich des „Internationalen Tages zum Gedenken an die Opfer des Holocaust“ ein Konzert der hier bereits vorgestellten „Lebensmelodien“ mit dem Nimrod Ensemble geben. Künstlerischer Leiter ist Nur Ben Shalom und als Rezitator wird Gunter Schoß auftreten.

Das Projekt “Lebensmelodien” macht jüdische Melodien und Werke, die im Zeitraum von 1933–1945 komponiert, gesungen oder gespielt wurden, nun einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Hinter den Lebensmelodien verbergen sich die Lebensgeschichten jüdischer Schicksale, Melodien, die in den Lagern geholfen haben zu überleben oder auch, um von dieser Welt Abschied zu nehmen.

ENGLISH

On the first of February 2023 the first exhibition of the new civic year opens in the “Villa Seligmann – House for Jewish Music” in Hanover (Germany): “HELPING MEANS LIFE – Jacob Teitel and the Union of Russian Jews in Germany (1920-1935)” .

After the Russian Revolution of 1917, thousands of Jews fled to Germany. Jacob Teitel (1850-1939) founded the “Association of Russian Jews in Germany” (1921-1935) to give them spiritual and material support.

Teitel himself came from Russian Jewry and, after fleeing himself, tried to establish contacts with German Jews. As chairman of the association, he campaigned for the rights of Russian-Jewish refugees both in Germany and internationally.

The association was able to remain active in Germany until 1935; its successor organizations worked in France (1935-1965) and the USA (1941-1965) and were initially able to ensure the survival of Jews within Germany and later to support them in their escape to Palestine or the USA.

The exhibited images, objects and documents offer concrete insights into individual biographies and life stories. The exhibition can be viewed on Tuesdays from 10 a.m. to 4 p.m. by appointment.

The “Villa Seligmann” was built for himself and his family on behalf of the Jewish banker Siegmund Seligmann (born August 19, 1853 in Verden / Aller, died October 12, 1925 in Hanover). In 1910 Max Liebermann portrayed him. The portrait is on display today as a permanent loan from the descendants.

Seligmann joined the Continental Caoutchouc and Gutta-Percha-Compagnie in 1876 as an authorized signatory. Three years later he was already a member of the company’s board of directors and under his leadership Continental developed into a world-class company.

In 2006, 100 years after the Seligmann family moved into the villa that is now known as the “House for Jewish Music”, the “Siegmund Seligmann Foundation” was established on the initiative of Professor Andor Izsák. Izsák was born in Budapest in 1944 and studied at the Franz Liszt Music Academy there. During his student days he was organist at the Dohány Street Synagogue in Budapest, the largest synagogue in Europe with about 3000 seats.

On January 26th, on the occasion of the “International Day to Commemorate the Victims of the Holocaust“, there will be a concert of the “Lebensmelodien” (already presented here with) the Nimrod Ensemble in the “Villa Seligmann”. Artistic director is Nur Ben Shalom and reciter is Gunter Schoß.

The “Lebensmelodien” project now makes Jewish melodies and works that were composed, sung or played between 1933 and 1945 known to a broader public. The life melodies hide the life stories of Jewish destinies, melodies that helped to survive in the camps or to say goodbye to this world.