“Jezer wickelte das schwere Leder von dem massiven Objekt herab und es kam eine Tafel zum Vorschein, in die 613 hebräische Buchstaben mit einer Präzision und Tiefenschärfe gemeißelt waren, wie sie Danu noch nie in ihrem Leben gesehen hatte.
„Waren sie denn überhaupt gemeißelt“, fragte sich Danu. Jeder Buchstabe glich einem kleinen hochpolierten Hohlspiegel, der das Licht in sich fing und widerspiegelte, so blank, so fein waren sie ausgeführt. In sich gewölbte Hohlheiten. Der Text hatte so einen zart rötlich-goldenen Schimmer, als würden die Buchstaben innerlich brennen und aus sich heraus leuchten. „Nein, diese Buchstaben wurden nicht von Menschenhand geschaffen, es hat ein höheres Wesen sie geschrieben“, sagte Danu.
„Nein, kein höheres Wesen, sondern G’tt. Er ist mehr als nur bloß ein Wesen“, erläuterte Jezer. „Das sind die 10 Worte“, setzte Jezer fort. „Die Worte, die Moses am Berg Sinai gegeben worden sind (sic!) von G’tt. Es sind lebende Worte. Sie sind seit 3.000 Jahren Fundament; nicht nur für uns, sondern auch für viele andere Völker“, sagte Jezer demütig ergriffen.
Danu blickte stumm und voller Ehrfurcht auf diese massive Tafel, die dunkel mattschwarz schimmerte und zu atmen schien. Es ging von ihr eine Wärme und doch Kühle aus, sie war an einem Ort und doch nicht, sie war fest und doch nicht, sie sprach, aber blieb doch stumm. Die Tafel war ein Paradox und vereinte alle Widersprüche in sich. Man sah, was man sehen wollte, man sah, was man sehen konnte.

„… die Tafel glich einer sphärischen Kugel und auch nicht, ist eine permanente Superposition, die nicht zusammenbrechen kann. Ihre Permanenz manifestiert sie. Ein dritter Zustand jenseits von Manifestation und Superposition. Das nenne ich göttliches Handeln …“, sagt (sic!) der Protagonist.” (aus: Die Kabbalah Formeln. Ein Roman aus Israel, Winter 2025/26)