Stahlbranche unter Druck. Export in die USA bricht ein. Stahlindustrie braucht Innovation

Die Herausforderungen, die die Stahlbranche in Deutschland zu lösen hat, sind vielfältig. Diese versucht die mit dem 1. Nationalen Stahlgipfel in Saarbrücken zu beantworten, wo Minister und Staatssekretäre aus sechs Bundesländern sowie Spitzenvertreter aus Wirtschaft und Gewerkschaften zusammenkommen. Die Herausforderungen sind in Stichworten: Energie, Klimawandel, Überproduktion und Subvention und aktuell die Verrengung des Zuganges zum US-amerikanischen Stahlmarkt. So sind die Exporte aus der EU im Bereich Stahl von Jänner bis Juli 2018 um 10% gesunken.

Die wichtigste Herausforderung – Innovationsdruck – kommt eher am Rande nur vor und wird junktimiert betrachtet mit den steigenden Kosten für den Co2-Emissionshandel von rund 3,5 Milliarden Euro, wie der Stahlverband klagt.

Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl begrüßt die Initiative der Stahl-Bundesländer: „Die Stahlindustrie in Deutschland ist aktuell mit großen Herausforderungen, besonders in der Energie- und Klimapolitik und im internationalen Handel konfrontiert, daher begrüßen wir die Allianz der Bundesländer und das Ziel, sich verstärkt für die Belange der Branche in Berlin und Brüssel einzusetzen. Denn: Am Beispiel der Stahlindustrie wird sichtbar, dass globale Entwicklungen zunehmend auch regionale Perspektiven beeinflussen.“, was nie anders war, muss man hinzufügen. Es war immer schon so, dass globale Entwicklungen lokale Rahmenbedingungen mithin Perspektiven verändert haben.

In der Aussendung heißt es: “Eine erhebliche Belastung für die Stahlindustrie seien weiterhin die strukturellen Probleme auf dem globalen Stahlmarkt. Die weltweit vorherrschenden Überkapazitäten würden in erster Linie durch unfaire Subventionen verursacht. „Solange diese nicht effektiv bekämpft werden können, wird auch das Problem der Überkapazitäten nicht gelöst“, so der Verbandspräsident. Eine Erneuerung des Regelwerks der WTO, gerade im Bereich wettbewerbsverzerrender Subventionen, sei unverzichtbar…”, womit man sich ziemlich auf Linie und Forderungen des US-Präsidenten Donald Trump befindet.

Vor großen Herausforderungen steht die Stahlindustrie in Deutschland auch im Hinblick auf die Weichenstellungen der Energie- und Klimapolitik. „Mit den neuen Regelungen zum EU-Emissionsrechtehandel drohen den Stahlunternehmen Kosten von insgesamt 3,5 Mrd. Euro über den Zeitraum 2021 bis 2030“, so Kerkhoff weiter und der Verband schreibt: “Die gegenwärtige Klimaschutzpolitik entziehe den Stahlunternehmen die Mittel, um in Innovationen für die Zukunft zu investieren.” Das ist eine sachfremde Junktimierung, denn Innovation muss stets und unabhängig von anderen Budgetrestriktionen stattfinden, sprich Priorität haben. Es ist ein eigenartiger Zugang zu sagen, zuerst müsse man steuerlich entlastet werden, bevor man als privatwirtschaftliches Unternehmen in Innovation investiere. Das ist fatal.

Ohne Zweifel hat Kerkhoff recht, wenn er sagt „Die Herausforderung, Stahl möglichst CO2-arm zu produzieren, kommt der Neuerfindung der Stahlproduktion gleich“, weshalb man genau darum hier Innovationen suchen und viel Geld in die Hand nehmen muss, denn es ist nur eine Frage der Zeit, bis genau diese Frage sich andere Stahlunternehmen stellen und ja auch bereits gestellt haben. Sich selber in eine tendezielle Innovantionsunfähigkeit hineinzumanövrieren ist nicht strategisch sinnvoll. In dieser Neuerfindung kann eben wieder die Zukunft des Standortes Deutschland liegen; eben die Stahlproduktion neu zu erfinden, denn am Ende des Tages wird es so oder so um nichts weniger gehen. Wer da die Lösung heute hat, hat den gesamten Markt von morgen. Jetzt braucht es eben Mut zum Risiko, den man nur schwer ausmachen kann. Die Befunde sind richtig, bei den Lösungsansätzen ist noch Luft nach oben.

In einer aktuellen Studie des IW wird ein kaum überraschender Weg für die Stahlindustrie angezeigt: Digitalisierung. So fasst Karl Lichtblau, Geschäftsführer der IW Consult zusammen: „Die Stahlindustrie treibt die Digitalisierung nicht nur in ihren eigenen Unternehmen voran, sondern setzt auch hier wesentliche Impulse bei ihren Kunden und Lieferanten. Die Stahlindustrie ist ein wesentlicher Akteur bei der Digitalisierung ihres Wertschöpfungsnetzes. 43 Prozent der Kunden der Stahlindustrie beziehen bereits aktuell digitale Komponenten von der Stahlindustrie. In den nächsten fünf Jahren wird sich die Bedeutung von Smart Products weiter erhöhen.

 

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