Israel: Der Haredi High Tech Report 2020. High Tech im Haredi-Sektor ist weiblich, jung, hochqualifiziert und unterbezahlt.

Der vorliegende Bericht ist eine gemeinsames Projekt von Israeli Advanced Technology Industries (IATI) and KamaTech. Dieser Bericht wurde von der Forschungsagentur Askaria verfasst, die sich auf die Untersuchung der Haredi-Bevölkerung in Israel spezialisiert hat.

Zweck der vorliegenden Studie ist es, Daten und Trends bezüglich der Haredi-Ausbildung und -Beschäftigung im High-Tech-Bereich zu präsentieren. KamaTech wurde 2012 mit dem Ziel gegründet, die Repräsentanz und Sichtbarkeit der Haredi im Bereich Hightech zu fördern.

Die Studie besteht aus zwei Teilen: Der erste Teil enthält Daten über die Bildung und Ausbildung von Haredi im High-Tech-Bereich, die aus einer Reihe von Quellen stammen, darunter das Zentralamt für Statistik, MAHAT, das Ministerium für Arbeit und Wohlfahrt und Soziales, Forschungszentren, die IDF und andere.

Der zweite Teil der Studie präsentiert Daten aus der quantitativen Umfrage, die unter 1.277 männlichen und weiblichen Haredim durchgeführt wurde, und zwar sowohl unter denen, die Arbeit suchten, als auch unter jenen, die zu dem Zeitpunkt in der High-Tech-Branche beschäftigt waren.

High Tech im Haredi-Sektor ist weiblich, hoch quaifiziert und unterbezahlt

Die Zahl der Haredim, die in der High-Tech-Branche beschäftigt sind, liegt heute bei 9.700, im Vergleich zu 6.400 im Jahr 2014, was einem Anstieg von 54% entspricht.

Der “Spring Board to High-Tech”-Bericht des Finanzministeriums, der 2018 veröffentlicht wurde und der die Zahl der in der High-Tech-Branche Beschäftigten im Alter von 35-45 Jahren mit hohen Gehältern untersuchte, ergab, dass der Anteil der Haredim damals bei 0,7% lag. Heute liegt die Zahl der Haredim, die in der High-Tech-Branche beschäftigt sind, bei 3 %, was einem Anstieg von über 400 % entspricht.

Die Mehrheit der Haredim, die derzeit in der High-Tech-Branche beschäftigt sind, ist unter 28 Jahre alt, was auf ein besonders schnelles Wachstum in der jüngeren Haredi-Bevölkerung hindeutet.

Die meisten Haredim in der High-Tech-Branche (71 %) sind Haredi-Frauen. Die Zahl der Haredim, die sich für ein High-Tech-Studium einschreiben, ist ebenfalls schnell gewachsen. Die Zahl der Haredi-Akademiker im High-Tech-Bereich (Computerwissenschaften, Software-Engineering, Elektronik usw.) stieg von 1.050 pro Jahr auf 1.417 pro Jahr und macht heute landesweit 4,1 % aller Akademiker in den genannten Bereichen aus.

Die Zahl der Haredi-Ingenieure in High-Tech-Bereichen (Software-Engineering, Elektronik usw.) wuchs von 1.400 auf 2.800 pro Jahr, und sie machen heute 47% aller anwendungsorientierter Ingenieure aus, die im Staat Israel High-Tech-Berufe studieren.

Die Gesamtzahl der Haredi-Ingenieure und -Akademiker beträgt heute 3.700 pro Jahr, was 10 % der Gesamtzahl der Studenten in Israel entspricht, die im High-Tech-Bereich studieren.

Das durchschnittliche Monatsgehalt für Haredim beträgt 10.830 NIS (3.185 USD) gegenüber 22.479 NIS (6.611 USD) für die allgemeine Bevölkerung, also rund die Hälfte.

Vor diesen Zahlenhintergrund fordern die Studienautoren, dass massiv besser bezahlte Jobs geschaffen werden müssen, da sonst die Gefahr eines Rückzugs der haredim aus dem High-Tech Sektor bestehe: “Unsere Herausforderung ist es daher, Programme zu schaffen, die den Haredim den Einstieg in die Hightech-Welt erleichtern und ihnen helfen, gute, gut bezahlte Jobs in guten Unternehmen im Zentrum der Hightech-Welt zu finden – eine Herausforderung für die Regierung, große Hightech-Firmen und Non-Profit-Organisationen, denn nur so wird es möglich sein, den Trend des schnellen Wachstums aufrecht zu erhalten. Bleiben die Haredim jedoch am Rande der Hightech-Welt, in Positionen mit geringerem Status und niedrigeren Gehältern, besteht die Gefahr, dass dieses Wachstum entweder verlangsamt wird oder zum Stillstand kommt.

Startup und Haredim

Auch im Bereich der Start-ups zeigt sich ein ähnliches Bild: Nach Angaben der Innovationsbehörde gab es vor einem Jahrzehnt 0% Haredi-Start-ups. Heute hat man je nach Betrachtungsweise 5% bis 9% Start-ups, die von Haredi-Unternehmern gegründet worden sind.

Das ist ein extrem großer Sprung in den Zahlen. Die Schwierigkeiten liegen weniger in der Gründung als wenn es dann darum geht, weitere Investitionen und Finanzierung für ihre Start-ups zu erhalten bzw zu sichern.

Nach Angaben der Innovationsbehörde erhalten nur 30 % dieser Unternehmungen, im Vergleich zu 42 % der Startups gegründet von Nicht-Haredim, beispielsweise eine Zusatzfinanzierung durch staatliche Einrichtungen.

Mit anderen Worten, auch hier ist der Trend ähnlich; während immer mehr Haredim Start-ups gründen, haben sie im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung immer noch größere Schwierigkeiten, Erfolg zu erzielen, gemessen an der Fähigkeit, Zuschüsse und Finanzierungen zu erhalten.