Hilft das aktuelle KfW-Programm Ein-Personen-Unternehmen (EPU)? Eher nein. Ein erster Blick aus der Praxis. Up-date vom 16.3.

So mal das Programm Hilfe für Unternehmen wg Coronavirus von der KfW eben angesehen. Aus Sicht von Ein-Personen-Unternehmen (EPU) erscheint es kaum bis wenig hilfreich, ja es kann sogar konterproduktiv wirken und geht an den Realitäten von EPU ziemlich vorbei.

Es werden hauptsächlich verschiedene Kreditlinien angeboten, was viele EPUs (freilich mal gesprochen aus meinem Umfeld und aus meiner Erfahrung wie Expertise als auch Betroffenheit) leicht in eine Schuldenfalle führen kann, EPUs selten belastbare Hausbankverhältnisse haben (wenn sie denn überhaupt eine Hausbank im Sinne einer Hausbank haben) und der bürokratische Aufwand (mit ungewissem Ausgang, also sprich hohes Risiko, wenn man auf das Pferd KfW setzt) für ein EPU sehr hoch und substantiell ist.

Derweil sind Aufträge und potentielle Aufträge (also knapp vor dem Abschluß) quasi jetzt und auf gleich ersatzlos weggebrochen, Monate von Akquisearbeit/aufwand sind für die Tonne (Absagen auf bis dato aussichtsreiche Anbote bzw. on hold gestellt auf dem berühmten St.-Nimmerleins-Tag) und Akquise ist in den zumindest nächsten drei Monaten unmöglich, da Events, Networkmeetings etc. pp. ersatzlos ausfallen/gestrichen sind. Damit ist das Jahr gelaufen ohne Aussicht auf Umsatz und Hilfe/Unterstützung sehe ich da keine.

Die bisherigen Ansätze treffen m.E. nicht die Lage von EPU; für andere Unternehmen (i.e. Mittelstand und Konzerne) sind die KfW-Maßnahmen sicher sinnvoller, maßgeschneidert und auch realistisch umsetzbar.

Für EPU braucht es aber andere Ansätze, Helikoptergeld, nicht rückzahlbare Ausfallshaftung auf Grundlage der Steuererklärung 2019 oder fast lane Auszahlung von Grundeinkommen; mal lose ins unreine laut gedacht.

Es macht aber auch deutlich, dass die bisherige Förderlandschaft (und damit Instrumente) für EPU kaum vorhanden sind, obwohl sie geschätzter Weise rund 2 Millionen der gesamt 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland stellen. Sie sind stets durch den Rost gefallen und werden es leider wohl auch weiterhin. Darum fehlen auch jetzt die Instrumente und Antworten, weil es sie nie gab.

Förderungen, Instrumente für etablierte Unternehmen des Mittelstandes oder Konzerne, da ist die Förderlandschaft ohne Zweifel gut, vielleicht zu gut, aufgestellt. Hier bruacht man die vorhandenen Mittel nur erhöhen, die Abwicklung etwas beschleunigen und fertig. Genauso hat es die Bundesregierung auch gemacht und darum schaut es für EPU so finster aus. Weitere existientiellen Fragen, wie man seine Kinder, wenn Kita & Co ab Dienstag schließen, betreuen soll, kommen hinzu. EPU stehen völlig alleine und im Regen.

Die Schlagzeile “KfW-Corona-Hilfe für Unternehmen” ist so nicht zutreffend. Richtiger wäre: “KfW-Corona-Hilfe für Mittelstand und Konzerne”, was ja auch OK und schon was ist.

Up-Date vom 16.3.

Da gibt es nun die Hotline für Unternehmen des BM für Wirtschaft für Beratung Corona-Krise und Wirtschaftshilfe: 030/18615-1515, Mo-Fr., 9-17 Uhr. Sie ist im Dauerbesetzmodus, kein Durchkommen. Als EPU hat man eben kein Sekretariat, das Dauerwahl macht. Auch hier, eine Lösung, die für EPU nur wenig geeignet ist.

Und die “Öffnungszeit” der ministeriellen Hotline ist atemberaubend und geht noch mal an den Realitäten vorbei: Montag bis Freitag, ordentlich brav von 9.00 bis 17.00 Uhr. Es ist eine Notlage, eine schwere Krise, da darf man sich, wo Geld angeblich keine Rolle spiele, doch eine Hotline, die mindestens bis 22.00 Uhr besetzt ist auch Samstag und Sonntag, erwarten, ja muss man fordern.

Hofft man auf Hilfe in Berlin, dann wird man enttäuscht, wenn man den Navigationspunkt “Wirtschaft” von der Website der Stadt Berlin ansteuert.

Bis dato (13.30 Uhr) findet man keine eigenen Contentbasket für Coronavirus und Hilfsangebote für Unternehmen, kein Hotline-Angebot für Unternehmen, stattdessen wird eine Veranstatung mit Ende März beworben und man darf sich über eine Pressemitteilung von Senatorin für Wirtschaft Frau Popp freuen, wonach sich die Coronakrise deutlich in das Jahr hineinziehen wird. Ja, weiß man. Wie man auch weiß, dass besonders viele EPU sich in Berlin finden. Dass die Website bis dato nicht inhaltlich reagiert hat, ist ein Offenbarungseid.

In Summe, fühlt man sich als EPU vollständig im Regen und alleine gelassen.

Link > KfW-Corona-Hilfe für Unternehmen