Stevia als Zuckerersatz: Vielleicht doch nicht so gut? Forschung an der Ben-Gurion University (Israel) deuten darauf hin.

Stevia, ursprünglich beheimatet in Südamerika (Amambai-Bergkette), wächst als Staude. Aus den Blättern der Stevia-Staude, auch genannten “Süßkraut” oder “Honigkraut”, wird der eigentliche Wirkstoff Rebaudiosid A gewonnen.

Umgangssprachlich und im Handel wird es aber als Stevia bezeichnet. Stevia stand schnell – besonders in der Bioszene – im Ruf besser und gesünder als Zucker zu sein.

Steviaprodukte können – als reines Rebaudiosid A – eine bis zu 450-fache Süßkraft von Zucker haben. Seit Dezember 2011 ist Stevia in der EU zugelassen. Eine aktuelle Studie der Ben-Gurion University weist jedoch in eine andere Richtung und vielleicht sollte man diese Zulassung noch mal überdenken.

BGU-Forscher haben zusammen mit Kollegen aus Zypern und der Türkei herausgefunden, dass der Süßstoff Stevia die Kommunikation zwischen Bakterien im Darmmikrobiom stören und dadurch ein Ungleichgewicht verursachen kann. Ihre Ergebnisse wurden gerade in der Zeitschrift Molecules veröffentlicht.

Das Mikrobiom ist auf Signalmoleküle angewiesen, um zwischen den Darmbakterien zu kommunizieren und sich zu koordinieren. Die Forscher untersuchten die Wirkung von Stevia und gereinigten Stevia-Extrakten auf diese Kommunikationswege.

Das Team fand heraus, dass Stevia diese Kommunikationswege hemmt, die Bakterien aber nicht abtötet. Die Extrakte wiesen eher beunruhigende kommunikationshemmende Tendenzen auf.

“Dies ist eine erste Studie, die darauf hinweist, dass weitere Studien gerechtfertigt sind, bevor die Lebensmittelindustrie Zucker und künstliche Süßstoffe durch Stevia und seine Extrakte ersetzt”, sagt die leitende Forscherin Dr. Karina Golberg (Bild)

Die Forschung wurde von Prof. Ariel Kushmaro, Dr. Karina Golberg und Prof. Robert Marks von der Avram und Stella Goldstein-Goren Abteilung für Biotechnologie-Ingenieurwesen an der BGU, ihren Studenten Orr Share und Victor Markus (Nahost-Universität) durchgeführt. Prof. Kerem Terali von der Universität des Nahen Ostens und Prof. Nazmi Ozer von der Universität Hacettepe in Zypern waren ebenfalls Mitglieder des Forschungsteams.