Trotz der Pandemie dürfte das Jahr 2020 für Israels Wirtschaft, besonders für die Technologiebranche, ein sehr gutes, wenn nicht hevorragendes Jahr sein. 55% Wachstum im sogenannten Dealvolumen sprechen für sich, wie PwC Israel aktuell in seinem Jahresreport zur israelischen Techbranche 2020 zu berichten weiß.
Wie schon auf Glocalist berichtet, war diese Entwicklung absehbar. Die regelmäßigen Monatsberichte von SNC (Startup Nation Central) sprechen eine deutliche Sprache. Israels Ökonomie boomt trotz der Pandemie. Ja, viele Experten meinen, die Pandemie war vielleicht sogar ein Turbo für die israelische Technologiebranche.

Allein Q4 sah ein Volumen von direkten Kapitalinvestments in alle erfassten Starups von rund 2,8 Milliarden USD. Das Jahr 2020 wird voraussichtlich mit 10 Milliarden USD abschließen, was einem Wachstum von 30% entspricht.
(c) Graphik von SNC
Die Top 5 der IPOs, VC-Investment israelischer Unternehmen zeigt nachstehende Chart von PwC Israel:

Auch wenn im Jahr 2020 deutlich weniger Börsengänge und Fusionen und Übernahmen gab – 60 im Jahr 2020 im Vergleich zu 80 im Jahr 2019 – stieg ihr kumulierter Wert auf 15,4 Milliarden USD. Ein Sprung von 55 Prozent gegenüber 9,9 Milliarden USD im Jahr 2019.
Die Techbranche ist eine der Schlüsselbranchen und beschäftigt rund 10% aller Arbeitskräfte. Im Vergleich, in Deutschland ist der Staat mit rund 10% Beschäftigungsanteil der größte Arbeitgeber.
Was da schief liegt, braucht man nicht lange zu überlegen. Hierzulande zerbrechen sich eher naiv verschiedene Organisationen wie man den deutschen Mittelstand auf diese Erfolgsspur bringen und was Deutschland von Israel lernen könnte.
Da schwubbelt man irgendwas von mangelnder Transparenz des israelischen Markt, fehlende Marktzugänge und ähnliches mehr. Man tut so, als wäre die israelische Ökonomie eine geschlossene und intransparente Ökonomie wie jene von Nord-Korea. Das ist blanker Unsinn. It´s the free market, stupid. Aber das soll Thema nach dem Relaunch von Glocalist werden.
Ein neuer dot.com Boom: Die Eintrittskarte hat sich verteuert.
Gegenüber NoCamels sagt PwC Israel: “Diese Zeit erinnert uns an das Silicon Valley vor 10 Jahren, als so viele grundlegende SaaS-Unternehmen geboren wurden. Jetzt wachsen das Cloud-Ökosystem und die Kundenakzeptanz viel schneller, als irgendjemand hätte vorhersehen können.“
Im Fokus stehen die Cloud-Ökosysteme und Software-Sektor, aber auch der Einzug der Digitalisierung in die sogenannte “life sciences” lassen den Markt anziehen. Branchen, wo israelische Unternehmen ganz vorne mitmischen.
Und auch die Börse Tel Aviv (TASE) spiegelt diesen Boom wieder, wie heute auf Glocalist berichtet.
Von daher ist auch die durchschnittliche Dealgröße rasant angewachsen, also quasi der Mindestpreis einer Eintrittskarte für die “billigen” Plätze: Die durchschnittliche Dealgröße stieg von rund 170 Millionen USD (2019) auf rund 490 Millionen USD (2020). Hier muss man risikofreudig und mutig auftreten, um mitspielen zu können.
Herausforderung: Armut
Aktuell kann Israels Ökonomie vor Kraft kaum gehen und darin könnte auch eine der großen Herausforderungen für das Jahr 2021 liegen, denn die Start-up Szene ist mittlerweile ein family- und old-boy/girl Network geworden.
Man kennt sich halt, besonders in Tel Aviv. Das ist nicht immer vom Vorteil, wie auch die jüngsten erfolgreichen Hackangriffe auf das Staatsunternehmen IAI nahe legen, wo nach aktuellem Stand möglicherweise zu sehr geduldetes Chaos in der Netzwerkadministration Grund war, dass Amateuer-Hacker IAI hacken konnten.
Offenheit und Diversität werden die neuen Herausforderungen sein und vor allem muss der neue Wohlstand und Reichtum seinen Weg in die zunehmend abgehängte Mitte finden, denn aktuell leben rund 270.00 Familien in Armut, wie auf Glocalist berichtet. Das ist für ein Land wie Israel zuviel und widerspricht auch allen jüdischen Werten von Gerechtigkeit.
Hier ist auch der Staat gefordert, um einige strukturelle, gesetzliche Schieflagen zu korrigieren, denn eine Spaltung in elender Armut auf der einen Seite und Megareichtum auf der anderen Seite wie in Kalifornien wird Israel nicht aushalten können und auch nicht wollen. Aber die Hauptverantwortung liegt schon aus Eigennutz und innerer Notwendigkeit bei den Unternehmen Israels.
Neue Start-up Szene
Denn beginnen sie diese Verantwortung bequem an den Staat zu delegieren, werden sie qua höhere Steuern rasch ihre Unabhängigkeit und Stärke verlieren und sich mit irrwitzigen Reglementierung konfrontiert sehen.
Wie verherrend ein Nanny-Staat wirkt, kann man sehr gut anhand der deutschen und EU-europäischen Ökonomien studieren, wo die höchsten Steuern der Welt eingetrieben werden. Israel kann sich aber einen unmündigen Bürger nicht leisten.
Aber auch hier kommen schon mehr und mehr israelische Startups um die Ecke, die ihre Innovationen und Geschäftsmodelle rund um Inklusion, Gerechtigkeit und Schaffung von Diversität auf Grundlage von Privatwirtschaft bauen bzw ihre Geschäftsmodelle mit den Herausforderungen Inklusion, Gerechtigkeit und Diversität koppeln.
Man darf ohne Zweifel hier große Würfe aus Israel erwarten. Denn die ökonomische Kraft, das Know-how, die Innovationskraft und die gesellschaftlichen Werte sind cum grano salis vorhanden und intakt. Und vor allem der Wille zur Freiheit und Unabhängigkeit.
Danke für den Überblick!