Pendelstress und Schlafprobleme in Berlin

Eine Studie für Berlin Adlershof zeigt, dass die Arbeitswelt der Zukunft gesünder werden muss.

Das tägliche Pendeln belastet die Beschäftigten in Berlin Adlershof, Deutschlands größtem Wissenschafts- und Technologiestandort. Mehr als die Hälfte (57,4 Prozent) fühlt sich durch die An- und Rückfahrt gestresst.

Rund 30 Prozent der Beschäftigten zeigen außerdem ein auffälliges Schlafverhalten. Das geht aus dem „Adlershof-Barometer“ von Techniker Krankenkasse (TK), WISTA Management GmbH, der Betreibergesellschaft des Standorts, und dem Institut für Betriebliches Gesundheitsmanagement (IFBG) hervor. Die Studie wurde der Tage in Berlin vorgestellt.

Aufforderung zum Handeln

„Die Ergebnisse der Studie sind für uns eine Aufforderung zum Handeln“, stellt WISTA-Geschäftsführer Roland Sillmann fest. „Berlin will Forschungshauptstadt Europas werden. Berlins Zukunftsorte sind Taktgeber einer wissenschaftsnahen Wirtschaft. Adlershof ist dafür ein Idealbeispiel. Zukunftsorte brauchen kluge Köpfe. Wir müssen besondere Anstrengungen unternehmen, um neue Talente für uns zu gewinnen und den Bestand an erfahrenen Mitarbeitern zu sichern. Aus diesem Grund haben wir mit der Techniker Krankenkasse das Gesundheitsnetzwerk Adlershof aufgebaut. Dazu gehört, dass junge Talente und erfahrene Mitarbeiter den Weg zu ihrem Arbeitsplatz auch in Zukunft finden werden – und zwar in angemessener Zeit und auf angemessene Art und Weise.“

Pendeln: Starke Belastung für jeden fünften Mitarbeiter

Eine große Belastung für die Mehrheit der Beschäftigten stellt das Pendeln von und nach Adlershof dar. Mehr als zwei Drittel (67,8 Prozent) benötigt mehr als eine halbe Stunde bis über eine Stunde von und nach Adlershof. Jeder Fünfte (21,5 Prozent) empfindet das als starke Belastung – rund 25 Prozent der Frauen und 18,5 Prozent der Männer.

Schlafprobleme: Abhilfe schaffen Mittagsschlaf und flexible Arbeitszeiten

Während fast ein Drittel ein auffälliges Schlafverhalten bei sich feststellt, äußern 70 Prozent der Befragten den Wunsch, zumindest manchmal an einem Arbeitstag Zeit für einen Mittagsschlaf zu finden. Auffallend ist auch, dass Beschäftigte, die ihre Arbeitszeiten flexibel gestalten können, weniger Probleme mit dem Schlaf haben als jene, die feste Arbeitszeiten einhalten müssen.

Feedbackkultur: Auf individuelle Bedürfnisse eingehen

Auf einer Skala von 0 bis 100 erreicht die Wahrnehmung von Feedback bei den jüngeren in Adlershof Beschäftigten (bis 29 Jahre) einen Durchschnittswert von 44,7. Hingegen sind es bei älteren Beschäftigten (50 Jahren und darüber) lediglich 37,5.

Viele achten auf gesunde Lebensweise

Die Studie stellt auch fest: Die Adlershofer Beschäftigten tun schon viel für ihre Gesundheit. Mehr als zwei Drittel betätigen sich körperlich pro Woche mindestens so lange, wie es die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt: Sie treiben mindestens 150 Minuten moderaten oder 75 Minuten anstrengenden Sport. Und mehr als ein Drittel der Befragten isst täglich mindestens drei Portionen Obst und Gemüse.

So, die wesentlichen Ergebnisse dieser Studie. Eine einfache Maßnahme scheint aber aus den Blick geraten zu sein: Verbesserung und Pünktlichkeit wie höhere Dichte der öffentlichen Verkehrsmitteln, die in Berlin besonders zu wünschen über lassen. Und auch, dass der Nicht-Bau-Senat maßgeblich für die Stauprobleme in der Stadt sorgt.

So sind rund 5.000 km Straßennetz in Berlin, und da sind die Seitenwege in den Randbezirken miteingerechnet, mit rund 2.500 Baustellen gepflastert, wo man kaum Bewegung wahrnimmt bzw. angegebene Fertigstellungstermine regelmäßig gerissen werden.

Ohne entsprechende Infrastruktur nützt kein persönlich gehaltenes Stressmanagement auf Dauer und nachhaltig, da die Ursachen für Stau bestehen bleiben: Eine marode und unterdimensionierte Infrastruktur.

An der Befragung haben insgesamt 1.067 Beschäftigte am Hochtechnologiestandort Adlershof teilgenommen. Sie fand von Februar bis Mai 2019 statt. In Adlershof sind derzeit 1.044 Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen ansässig, in denen rund 20.000 Menschen tätig sind. Hinzu kommen 5.000 Studierende.

Quelle: WISTA