Wie Israels Wahl die ’Midterm’-Wahlen in den USA beeinflusst. Ein Kommentar von DOUGLAS ALTABEF (Im Tirtzu)

Israel hat dem Westen gerade gezeigt, dass seine Bürger ohne Zweifel in der Lage sind, sich klar und unzweideutig auszudrücken. Das ist die eigentliche Botschaft, die in den USA angenommen und verinnerlicht werden sollte.

Es ist schwer, die Bedeutung der gerade abgeschlossenen Wahl in Israel zu übertreiben. Wir können über das Verdienst der getroffenen politischen Entscheidungen diskutieren, aber wir alle müssen die wahren Helden und Gewinner dieser Wahl sehen und wertschätzen: die Bürger Israels.

Entgegen allen Erwartungen stieg die Wahlbeteiligung auf über 70%; der zweithöchste Wert seit 2015. Die Zahl ist deswegen besonders beeindruckend, weil dies die fünfte Wahl in nur drei Jahren war und damit das Potenzial für eine zynische Abwehrhaltung mehr als gegeben war.

Die Angst vor einer noch geringeren Wahlbeteiligung war berechtigt und motivierte ’Im Tirtzu’, im vergangenen Sommer ein ungewöhnliches und sicher einzigartiges Tür-zu-Tür-Forschungsprojekt durchzuführen. Tausende Bürger in Randgebieten mit einer historisch niedrigen Wahlbeteiligung wurden gefragt, ob sie gewählt hatten, ob sie bei der bevorstehenden Wahl zur Wahl gehen würden und wenn Nein, warum? Die Antworten brachten vorwiegend das Gefühl zum Ausdruck, dass ihre Stimme keine Rolle spiele und nichts ändern werde.

Der Widerstand jedoch gegen diese Erstarrung, gegen diesen Pessimismus, war überwältigend und weit verbreitet, was die Wahlbeteiliugung unterstreicht. Die Israelis verhielten sich bei dieser Wahl mit heldenhaftem Anstand und erschienen zahlreich. Und sie kamen, um eine sehr starke Botschaft an sich selbst und, wie ich meine, an die demokratische Welt als solche zu senden.

Die Botschaft war klar und einfach: Wir umarmen den Zionismus. Wir umarmen die Tradition. Wir haben keine Furcht, unsere Individualität als Nation zu behaupten. Wir interessieren uns nicht für den Schwanengesang des Progressivismus, des Postzionismus oder eines irgendeines anderen „-Ismus“, der uns von unserem Fokus auf ein Israel als jüdischen und demokratischen Staat wegführen würde.

Eine weitere Botschaft war, dass es an der Zeit sei, sich hier um unsere Angelegenheiten zu kümmern. Probleme, die ignoriert oder verharmlost wurden, müssen nun direkt angegangen werden.

Vor allem bekräftigten die Wähler ihre Liebe zu Zion, ihre Verbundenheit mit der Mission des jüdischen Volkes in ihrem Land und ihren großen Enthusiasmus für die fortgesetzte Saga Israels, das seinen Weg geht und doch den Nationen der Welt als Licht dient.

Meine Vorhersage ist, dass unsere Wahl eine sublime, aber bedeutsame Auswirkung auf jene Wahlen in den USA haben wird, die genau eine Woche nach unserer Wahl in Israel stattfinden wird. Die Auswirkung wird sein, dass auf das Gefühl der Verlassenheit und der Entfremdung konstruktiv, positiv geantwortet werden kann.

Inspiration für eine gespaltene und frustrierte Wählerschaft bei den„Midterm“-Wahlen der USA

DIE AMERIKANISCHE Wählerschaft ist gespaltener und frustrierter als jene in Israel. Es gab eine deutliche Abkehr von den Werten des Amerikanismus: Toleranz, freie Meinungsäußerung und ein grundlegendes Gefühl einer zugrunde liegenden Einheit.

Gleichzeitig besteht eine anhaltende Furcht, dass nichts getan werden könne, dass die Gesellschaft in einen selbstzerstörerischen Kaninchenbau rutsche und dass eine positive Richtungsänderung nicht in Sicht sei.

Hier kann das israelische Beispiel ein hilfreiches, augenöffnendes Tonikum sein. Bei unserer Wahl in Israel ging es vor allem um Selbstermächtigung und die Entscheidung, uns als teilhabende Bürger in einem souveränen und wohlwollenden Staat zu behaupten.

Ironischerweise wurde diese Botschaft einst von Barack Obamas Wahlkampfslogan von 2008 „Yes we can!“ eingefangen. Leider ist das heute in weiten Teilen Amerikas nicht die Stimmung, aber es sollte die Stimmung sein, die man bräuchte und die notwendig ist.

Israel zeigte Amerika und allen anderen Staaten, die studieren wollen, dass der Tocqueville-Effekt der Bürger lebt, wohlauf und in der Lage ist, bürgerliche Berge zu versetzen.

Wie wichtig und notwendig ist diese Botschaft gerade jetzt, wenn die globale Achse autoritärer Regime der Hafer sticht und der Westen nur auf seinen Nabel starrt, sich bloß Sorgen um Identitätspolitik macht und darüber, wie er möglichst viele Vorteile aus seinen Regierungen ziehen kann?

Letztlich ging es bei dem hier vorgestellten und bestandenen Test um Selbstermächtigung. Es ist derselbe Test, der nun in Amerika auf dem Wahlzettel steht. Die Fähigkeit des Westens, seine Vitalität zu bewahren und seine Werte zu behaupten, muss letztlich ein Ausdruck des Willens seiner Bürger von unten nach oben und von seiner Basis her sein.

Israel hat dem Westen aktuell gezeigt, dass seine Bürger mehr als in der Lage sind, sich klar und eindeutig auszudrücken. Dies ist die Botschaft, die in Amerika verinnerlicht werden muss und darüber hinaus in allen Nationen, die sich selbst als demokratisches Abbild vom Willen ihrer Bürger sehen.

In der Zwischenzeit, ein großes Lob an uns. Wieder einmal kämpft das kleine Israel weit über seiner Gewichtsklasse.

Der Autor Douglas Altabef ist Vorstandsvorsitzender von Im Tirtzu und Direktor von B’yadenu und dem Israel Independence Fund.

Meinungsbeitrag von Interesse auf ‘VonNaftali’ > Der tägliche Terror von Meir DEUTSCH

Original in Englisch publiziert auf Jerusalem Post (> https://www.jpost.com/opinion/article-721426 ). Mit Einwilligung des Autors in das Deutsche übersetzt und auf ’VonNaftali – Bilingual Daily on Business&more’ publiziert. Im Zweifel gilt das englische Original.