Europas CEO warnen: Europa fällt global zurück

Der European Round Table of for Industry (ERT), der 55 Vorstandsvorsitzende und CEOs führender europäischer Konzerne umfasst, warnt in einem dringenden Appell, dass Europa global dramatisch an Boden verliert. Es braucht energische Maßnahmen, damit Europa wieder aufholt.

In seinem Anfang Dezember verabschiedeten Strategiepapier sieht der ERT die strategischen Herausforderungen in drei Bereichen: Klimawandel, Digitalisierung und globaler Handel.

Der ERT ruft die Politik auf, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, Innovation zu stärken und sicherzustellen, dass die europäischen Industrieunternehmen in einer zunehmend komplexen Welt gedeihen und gleichzeitig einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen können.

Maßnahmen, die die führenden Industrieunternehmen in ihrer Pressemitteilung forden, sind:

  • Die EU soll einen europäischen “Green Deal” umsetzen, der Investitionen in kohlenstoffarme Verfahren und Technologien fördert und die Versorgung der europäischen Industrie mit sauberer Energie und Rohstoffen zu wettbewerbsfähigen Preisen gewährleistet.
  • Ein gesamteuropäischen Plan zur Beschleunigung der digitalen Umwandlung und des Ausbaus der 5G-Infrastruktur
  • Höhere Investitionen in digitale Fertigkeiten und Ausbildung
  • Moderne Wettbewerbsregeln, die es den EU-Unternehmen ermöglichen, sich im globalen Wettbewerb zu behaupten.
  • Konzentration auf Innovation, einschließlich der Bereitstellung von mindestens 120 Milliarden Euro im nächsten EU-Haushalt für das neue Programm “Horizon Europe” und Maßnahmen, die die Markteinführung von Innovationen erleichtern sollen.

Europa stürtzt ab

Diese Empfehlungen werden vom neuen Bericht des ERT – dem Benchmarking-Bericht 2019 über Wettbewerbsfähigkeit und Industrie – unterlegt, wonach die EU bei den wichtigsten Wirtschaftsindikatoren deutlich hinter anderen großen Volkswirtschaften zurückbleibt.

Die im Benchmarking-Bericht für 2019 vorgelegten Daten zeigen, dass Europa schnell eine ehrgeizige, langfristige Industriestrategie verfolgen muss.

Zu den Ergebnissen gehören:- Die europäischen FuE-Ausgaben (gemessen an der Intensität) liegen jetzt unter dem OECD-Durchschnitt und sowohl unter dem chinesischen als auch dem US-amerikanischen oder israelischen Durchschnitt.

Weiters, die europäischen Wachstumsraten liegen deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt und die gesamte Wirtschaftsproduktivität in der EU beträgt nur 75 % der US-Produktivität.

Der Anteil europäischer Unternehmen an den Fortune 500 ist von 32 % im Jahr 2010 auf 23 % im Jahr 2019 gefallen.

Die Zahl der Patentanmeldungen in der EU ist im IKT-Sektor niedriger als in den USA und China und im Biotech-Sektor niedriger als in den USA und Japan.

Europa schneidet beim Anteil der “Einhörner”, also Unternehmen im Privatbesitz it einem Unternehmenswert größer als 1 Milliarde USD, schlechter ab als die USA, Israel und China.

Fragen muss man sich, ob die vorgeschlagenen Maßnahmen hinreichend und auch die richtigen sind, denn vielmehr als Rufe nach dem Staat und Förderungen sind nicht auszumachen. Von Strukturreform, Bürokratieabbau und ein Mehr an Meinungsfreiheit ist nichts zu lesen.

Der Ruf nach des Bürgers Geld ist deutlich zu hören mit 120 Milliarden Euro. Man frägt sich halt, warum sich die führenden 55 europäischen Konzerne nicht in einem Fonds oder ähnlichem zusammenschließen und sich die notwendigen Mittel am freien Kapitalmarkt selber besorgen, wo sie dann auch für Mißerfolg zur Verantwortung gezogen werden und dafür finanziell gerade stehen müssen. Mit Risikodelegierung und Komfortzonenbewahrung erkämpft man sich weder Innovationen noch Leadership.

Quelle: ERT